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Alessandro D‘Arcangeli

Alessandro D‘Arcangeli

Welche Variante von Open Access passt am besten - Gold, Hybrid oder Green? Es ist gar nicht so leicht, die weite Welt von Open Access zu überblicken. An der HTW Berlin kann man einfach Alessandro D‘Arcangeli in der Hochschulbibliothek fragen. Als Open Access Ambassador kennt er sich nicht nur bestens mit der Materie aus. Es ist sogar sein Job, diesbezüglich zu beraten und zu informieren. Denn auch die HTW Berlin hat sich in einer 2020 vom Akademischen Senat verabschiedeten Policy verpflichtet, den Open Access-Gedanken tatkräftig zu fördern. Was das bedeutet und wie weit die Entwicklung gediehen ist, darüber spricht Alessandro D‘Arcangeli im Interview. Der gebürtige Neapolitaner kam 2023 an die HTW Berlin, nach einem Studium der Musik- und Medienwissenschaften an der Humboldt Universität. Seitdem ist er Open Access-Verantwortlicher der Hochschulbibliothek.

Fangen wir mit der Definition an. Was ist Open Access?

Open Access bedeutet, wissenschaftliche Literatur, also Studien, Artikel und sonstige Beiträge, weltweit für alle Menschen zugänglich und nutzbar zu machen, und zwar kostenlos und möglichst ohne technische und rechtliche Barrieren. Die Idee, oder sagen wir: die Bewegung, ist mehr als 20 Jahre alt. Inzwischen hat sich Open Access zwar als Publikationsmodell etabliert, doch seine Umsetzung ist noch lange nicht abgeschlossen. Das liegt an unterschiedlichen Rahmenbedingungen und daran, dass sich die Anforderungen stetig verändern. Man muss kontinuierlich an Lösungen arbeiten.

Wie etabliert ist Open Access an der HTW Berlin?

Die Hochschule hat sich in ihrer Open-Access-Policy dazu verpflichtet, den Grundgedanken zu fördern und Hochschulmitglieder dabei zu unterstützen, ihre Erkenntnisse und Ergebnisse dementsprechend zu veröffentlichen. Selbstverständlich ist das nur eine Empfehlung; jeder und jede entscheidet selbst, was, wo und in welcher Form publiziert wird. Doch ich würde die Haltung gegenüber Open Access als recht offen beschreiben. In den vergangenen drei Jahren waren 66 bis 72 Prozent der von unseren Wissenschaftler*innen in Journals veröffentlichten Artikel frei zugänglich bzw. nachnutzbar. Allerdings sehen wir Unterschiede in den Fachkulturen. Bei den Ingenieurwissenschaften und in der Informatik, also in den Fachbereichen 1, 2 und 4, ist Open Access recht etabliert. Im Fachbereich Gestaltung und Kultur schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr. Am wenigsten verbreitet ist Open Access in den Rechtswissenschaften. In dieser Disziplin wird das Publikationsgeschäft noch stark von den großen deutschsprachigen Verlagen beherrscht.

Was bedeutet Open Access in ökonomischer Hinsicht?

Open Access hat das Modell des Publizierens im Grunde auf den Kopf gestellt. Früher wurde für das Lesen bezahlt; das taten meist Bibliotheken, in der Regel über Abonnements von Fachzeitschriften und dergleichen. Heute bezahlt man für das Publizieren. Das heißt, dass für Autor*innen Veröffentlichungsgebühren fällig werden, sogenannte Article Processing Charges, kurz APCs. Diese Kosten können durch sogenannte Transformationsverträge gedeckt werden, die die Bibliothek mit bestimmten Verlagen abgeschlossen hat. Alternativ kann man Mittel aus dem Forschungsfonds beantragen oder die Gebühren über Drittmittel finanzieren. 

Wie werden Wissenschaftler*innen unterstützt?

Die Hochschulbibliothek stellt auf ihrer Webseite vielfältige Informationen zu Open Access bereit. Ergänzend dazu gibt es einen Selbstlernkurs, der einen eigenständigen Einstieg in das Thema ermöglicht. Darüber hinaus berate ich natürlich persönlich und individuell. Vier bis fünf Mal im Semester gibt es virtuelle Informationsveranstaltungen unter dem Motto "Open Access verstehen". Dafür haben sich die HTW, die BHT und die ASH zusammengetan. Im Wechsel mit den Kolleg*innen informiere ich beispielsweise darüber, wie man ein geeignetes Open-Access-Journal für seinen Artikel findet, welche offene Lizenz man verwenden sollte etc. Auch Künstliche Intelligenz ist inzwischen ein Thema.  

Welche Bedeutung hat der Publikationsserver OPUShtw?

OPUShtw bietet HTW-Mitgliedern die Möglichkeit, wissenschaftliche Dokumente kostenlos und elektronisch zu veröffentlichen und dadurch im Internet recherchierbar zu machen. Der Server eignet sich beispielsweise für Zweitveröffentlichungen und die empfehlen wir auch. Ideal wäre irgendwann ein eigener Hochschulverlag. Er könnte dazu beitragen, Publikationsmodelle wie Diamond Open Access zu stärken, bei denen weder für Autor*innen noch für Leser*innen Gebühren anfallen. Gleichzeitig ließen sich wissenschaftliche Veröffentlichungen der HTW Berlin gezielter begleiten und ihre Qualität weiterentwickeln. Bis dahin wäre es allerdings ein langer Weg, denn der Aufbau eines Verlags wäre mit erheblichem Aufwand verbunden. 

In welche Richtung wird sich Open Access entwickeln?

Ich hoffe, Open Access wird irgendwann Standard sein, alle Berliner Wissenschafts- und Kultureinrichtungen ziehen an einem Strang und kooperieren stärker. Mit dem gerade veröffentlichten Positionspapier der Landesinitiative Open Research Berlin geht es in die richtige Richtung. In der Landesinitiative ist auch die HTW Berlin vertreten, und zwar durch Prof. Dr. Horst Schulte, unseren Open Access Beauftragten, und mich. 

Weiterführende Links

Alessandro D`Arcangeli © HTW Berlin_Alexander Rentsch
Alessandro D`Arcangeli im Flur der HochschulbibliothekAlessandro D`Arcangeli auf dem Campus Treskowallee
Alessandro D`Arcangeli © HTW Berlin_Alexander Rentsch

Open Science an der HTW Berlin

Die HTW Berlin versteht Open Science als wichtigen Bestandteil moderner Wissenschaft. Vier sogenannte Ambassadors vertreten die aktuellen Säulen des Open-Science-Engagements:

  • Julia Brandt als Citizen Science Ambassador (zum Interview)
  • Alessandro D'Arcangeli als Open Access Ambassador
  • Jörg Maier-Rothe als Open Educational Resources Ambassador
  • Dr. Constance Holman als Open Data Ambassador (zum Interview)

Ein Interview mit Jörg Maier-Rothe folgt im November 2026.

  • Gold Open Access: Erstveröffentlichung wissenschaftlicher Werke in Open-Access-Zeitschriften, als Open-Access-Monografie oder als Beitrag in einem Open Access erscheinenden Sammelband. Artikel sind nicht nur kostenfrei lesbar, sondern auch frei nachnutzbar.
  • Hybrid Open Access: Einzelne „freigekaufte“ Open Access Publikation in einer traditionell kostenpflichtigen, Closed-Access Zeitschrift.
  • Green Open Access: In einem Verlag oder einer Zeitschrift erschienene Closed Access Beiträge, die auf Institutswebsites, privaten Servern oder Dokumentenservern (z.B. ArXiv) Open Access zweitveröffentlicht wurden. Die Zweitveröffentlichungen sind häufig Pre- oder Postprints.
  • Diamond Open Access: Kostenfreie Erstveröffentlichung wissenschaftlicher Werke in Open-Access-Zeitschriften oder auf institutionellen Plattformen. Die Publikation ist sowohl für Leser*innen kostenfrei zugänglich als auch für Autor*innen gebührenfrei.

Die Fragen stellte Gisela Hüttinger, Transfer- und Projektkommunikation
Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Berlin, 26. Oktober 2026