Ein starkes Netzwerk mit Ostafrika

Mit dem Eastafrica Hub unter Leitung von Prof. Dr. Katarina Adam und Prof. Dr. Oliver Scholz entsteht an der HTW Berlin ein nachhaltiges deutsch-afrikanisches Netzwerk von Wissenschaft und Wirtschaft über alle Fachbereiche und Studiengänge hinweg. Der Austausch von Studierenden und Lehrenden ist dabei ein wesentlicher Baustein.

Dank der Förderung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) waren im Februar Studierende der HTW Berlin in Äthiopien zu Gast, im Juni fand die erste Summer School in Berlin statt. Bereits im September folgt eine Summer School in Äthiopien. Der nächste Schritt ist ein Auslandssemester in Äthiopien, für das sich Studierende aller Studiengänge der HTW Berlin bewerben können.

Die Zielsetzung des Eastafrica Hub

Das Projekt soll die internationale Zusammenarbeit der HTW Berlin durch die Bildung von neuen Kooperationen auf dem afrikanischen Kontinent und hier insbesondere mit Äthiopien stärken. Teil des Projekts sind gegenseitige Kurzzeitdozenturen, Auslandsstipendien und ein innovatives internationales Lehrangebot mit Präsenz- und digitalen Distanzformaten im In- und Ausland.

Wie können deutsche und äthiopische Studierende am besten gemeinsam lernen? Wie unterscheiden sich die Curricula vergleichbarer Studiengänge in beiden Ländern? Wie können gemeinsame Lehrprogramme aussehen, und wie kann der Einsatz von KI, digitalen oder hybriden Lehrformate die Lehre in beiden Ländern verbessern? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen sich die Studierenden und Lehrenden im Rahmen des Projekts und der gemeinsamen Veranstaltungen.

Internationale Partner und die Einbindung der Wirtschaft

Bereits seit 2020 hat die HTW Berlin eine Kooperation mit der Adama Science and Technology University (ASTU) in Äthiopien. Weitere Partner des Projekts Eastafrica Hub sind die Adama Science and Technology University (AAiT) und das Ethiopian Institute of Textile and Fashion Technology Bahir (BDU EITEX).

Zentral ist auch die Einbindung von deutschen und äthiopischen Wirtschaftsunternehmen durch Workshops, Vorträge, Plätze für Praktika und Abschlussarbeiten. Um den Wandel vom Agrarstaat zu einer modernen Ökonomie zu schaffen, benötigt Äthipien sehr gut ausgebildete junge Menschen. Die Nachfrage nach fundiert ausgebildeten Akademiker*innen mit Praxisbezug steigt.

„Aufbauend auf den bisherigen Projektergebnissen entwickeln wir gemeinsam mit den Studierenden einen Leitfaden für Unternehmen und Hochschulen, wie einerseits das Modul ‚Praktikum’ in die Lehrplanung der äthiopischen Hochschulen integriert werden kann, und was anderseits die Unternehmen an innerbetrieblichen Strukturen bereitstellen müssen für erfolgreiche studentische Praktika“, erläutert Prof. Dr. Oliver Scholz.

Projekt-Perspektiven

Studierenden der HTW Berlin wird es künftig möglich sein, ein anerkanntes Auslandssemester in Adama oder Addis Abeba durchzuführen, Studierende aus Äthiopien können ein Auslandssemester in Berlin absolvieren. „Wir prüfen auch, ob wir ein Doppel-Abschluss-Programm etablieren können, und was dafür die Voraussetzungen sind“, erklärt Prof. Dr. Katarina Adam und ergänzt: „Wir wollen ein nachhaltiges Programm entwickeln. Gespräche sowohl mit dem DAAD als auch mit der äthiopischen Botschaft in Berlin finden regelmäßig statt, und unser Projekt wird von allen Beteiligten unterstützt.“

Hintergrundinformationen

Äthiopien ist nach Nigeria und Ägypten mit 120 Millionen Einwohnern das drittgrößte Land in Afrika. Äthiopien spielt politisch und wirtschaftlich ein wichtige Rolle. So hat die Afrikanische Union, die 55 afrikanische Staaten repräsentiert, ihren Hauptsitz in Addis Abeba. Die Afrikanische Freihandelszone ist mit dem Beginn des Jahres 2021 Realität geworden. Mit rund 1,2 Milliarden Menschen ist diese Freihandelszone etwa dreimal so groß wie die Europäische Union. Die Entstehung des weltweit größten Binnenmarktes eröffnet also riesige Chancen - für Afrika, aber auch für Europa. Äthiopien ist dabei ein wichtiger Teil dieses Marktes. Schon heute weist Äthiopien ein vergleichsweise hohes Wirtschafswachstum von durchschnittlich acht Prozent auf und entwickelt sich von einem Agrarland zu einer Industrienation.