Im Fokus: die nächste Professor*innen-Generation
Drei Module in zwölf Monaten, dazu ein vielfältiges Rahmenprogramm und am Ende ein Zertifikat. So lässt sich das Future Professors Programme (FPP) der HTW Berlin in einem Satz beschreiben. Was klingt wie eine herkömmliche Weiterbildung, ist doch eine ganz besondere: Das Future Professors Programme will berufstätige Akademiker*innen fit machen für die Bewerbung als Professor*in an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Was genau hinter dem Angebot steckt, erläutern Nadja Bajerski und Maximilian Gutberlet, die das Programm am LSC (Lehrenden-Service-Center) entwickeln und umsetzen. Das Programm wird im September 2025 an den Start gehen. Es ist gebührenfrei und stellt einen wichtigen Baustein im hochschulweit ausgerichteten Projekt „Talent Identification & Empowerment“ (TIEs) dar.
Warum braucht es das Future Professors Programme?
Nadja Bajerski: Die HTW Berlin muss in den nächsten Jahren einen Generationenwechsel inder Professor*innenschaft bewältigen. Sie braucht also viele und gute Bewerbungen. Nun gibt es zahlreiche qualifizierte Hochschulabsolvent*innen und Akademiker*innen mit Berufserfahrung, die für eine Professur in Frage kämen. Doch viele von ihnen haben den Karriereweg an der Hochschule oft gar nicht auf dem Schirm. Die wollen wir aufspüren, ihnen eine Professur als attraktive Option nahebringen und sie mit unserem Programm auch ganz praktisch in die Lage versetzen, sich mittelfristig zu bewerben. Das FPP dient also unmittelbar der Sicherung des professoralen Nachwuchses.
Wie haben Sie das Angebot entwickelt?
Maximilian Gutberlet: Angefangen hat alles mit der Entwicklung eines Kompetenzmodells, für das wir sorgfältig recherchiert, aber auch einige Professor*innen selbst befragt haben. Hier haben wir verschiedenste Kompetenzen identifiziert, die man für die Arbeit als Professor*in braucht. Diese bilden die Grundlage für das Programm. Im Fokus stehen Kompetenzen in der Lehre. Aber wir haben auch Forschung und Transfer im Blick, außerdem adressieren wir die Bereiche Führung, Kommunikation und Hochschulmanagement bzw. Engagement in der Hochschulentwicklung.
Was bietet das Future Professors Programme?
Maximilian Gutberlet: Wir haben drei verschiedene Module entwickelt. Im Modul „Lehre“ werden Grundlagen der Hochschuldidaktik vermittelt; es geht um innovative Lehrkonzepte und die Fähigkeit, Studierende zu aktivieren und zu begeistern. Dabei können wir zu großen Teilen auf unsere bestehenden Angebote zurückgreifen. Die Beratung und Unterstützung bei der Gestaltung guter und innovativer Hochschullehre ist schließlich das Kerngeschäft des Lehrenden-Service-Center. Im Modul „Forschung & Transfer“ stehen beispielsweise Themen wie das Schreiben von erfolgreichen Forschungsanträgen sowie Wissenschaftskommunikation auf der Agenda. Hier kooperieren wir eng mit dem Kooperationszentrum Wissenschaft – Praxis. Das dritte Modul haben wir „Karriere-Booster“ genannt. Darunter verstehen wir Kompetenzen in den Bereichen Führung, Kommunikation, Management und Karriereplanung. In diesem Modul wollen wir auch Einblick geben in die Bewerbungsprozesse bei Professuren, die häufig relativ undurchsichtig sind. Jedes Modul schließt mit einer sogenannten Challenge ab. Dabei handelt es sich um eine Anwendungsaufgabe, die den Teilnehmenden auch praktisch nützt, wenn sie dabei zum Beispiel ein Lehrkonzept entwerfen oder umsetzen sollen und dies dann später auch der Bewerbungsmappe beilegen können.
Nadja Bajerski: Die drei Module sind eingebettet in ein vielfältiges Rahmenprogramm. Es wird verschiedene Events und Anlässe geben, bei denen sich die Teilnehmenden kennenlernen, austauschen und netzwerken können. Auch Coaching-Sessions gehören zum Angebot sowie ein Mentoring-Programm, in das wir erfahrene Professor*innen einbeziehen, die im Idealfall auch fachlich passen.
Wer ist die Zielgruppe?
Maximilian Gutberlet: Zunächst nehmen wir wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Lehrbeauftragte an der HTW Berlin selbst in den Blick. Die zweite wichtige Zielgruppe sind junge, berufstätige Akademiker*innen in ganz Deutschland und im Ausland. Die meisten werden beruflich stark eingebunden sein - davon gehen wir auf jeden Fall aus. Also haben wir die Module maximal flexibel gestaltet und lassen den Teilnehmer*innen große individuelle Spielräume, sodass sie das Programm in ihren Job integrieren können. Es gibt sowohl synchrone als auch asynchrone Lernphasen, virtuelle Formate sind fester Bestandteil. Besonders wegen der Integrierbarkeit in den eigenen Arbeitsalltag wird es eher wenige Präsenzphasen geben, die dann aber intensiv und sinnvoll genutzt werden sollen. Den zeitlichen Aufwand veranschlagen wir auf 2,5 bis fünf Stunden pro Woche.
Und nach zwölf Monaten winkt das Zertifikat?
Nadja Bajerski: Ja, am Ende wird es ein Zertifikat geben, aber natürlich keine Note. Wer unser Future Professors Programme absolviert hat, soll einfach sehr gut vorbereitet sein für die Bewerbung auf eine Hochschul-Professur und genau wissen, welches Procedere erwartet werden kann. Wir haben die Inhalte so konzipiert, dass eine Teilnahme am Programm die Karrierechancen insgesamt verbessert, beispielsweise die persönliche Führungskompetenz. Dieser Benefit ist auch deshalb wichtig, weil die Teilnahme an unserem Programm nicht zwingend zu einer Professur führt. Die können wir natürlich nicht versprechen. Aber: Mit unserem Zertifikat kann man sich nicht nur an der HTW Berlin bewerben, es kann auch die Chancen auf andere Stellen für verschiedene Positionen im akademischen Bereich erhöhen.
Noch mehr Service für Lehrende
- LSC (Lehrenden-Service-Center): Partner für Lehrentwicklung, Weiterbildung in Hochschul- und Mediendidaktik und Produktion audiovisueller Lehrmedien
- Academic Services: Unterstützung bei Moodle, Wiki für Forschung & Lehre und Mediathek
- Fachbereiche: Organisatorische Unterstützung der Lehre
- Hochschulbibliothek: Literatursuche, Bücherausleihe, Datenbanken, elektronische Publikationen
- Hochschulentwicklung & Qualitätsmanagement: Qualitätssicherung im Bereich Studium und Lehre
- Personalentwicklung: Inhouse-Seminare für Soft-Skills, Führungs- und Gesundheitsthemen