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Wissenschaft in die Gesellschaft tragen

Ob junges Startup oder etabliertes Unternehmen, Schulkind oder Seniorin, neugieriger Laie oder erfahrene Wissenschaftlerin – bei der diesjährigen Transferale waren alle anzutreffen. Etwa 1000 Gäste zählten die fünf Berliner Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bei ihrem gemeinsamen Wissenschafts- und Transferfestival im Sommer 2026. Es fand an fünf Tagen und fünf verschiedenen Orten statt, mit Themen rund um Nachhaltigkeit und Klimaanpassung, digitale Resilienz sowie Gesundheit und Pflege. Wie kam die Vielzahl der Angebote an? Und was wurde erreicht? Im Interview ziehen Prof. Dr.  Stefanie Molthagen-Schnöring, die Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Wissenschaftskommunikation, sowie Projektkoordinatorin Ella Frühwirt ein Resümee. 

Welches war das wichtigste Anliegen der Transferale?

Prof. Dr. Molthagen-Schnöring: Die Wissenschaft mitten in die Gesellschaft zu tragen. Eng mit der Wirtschaft zu kooperieren, ist an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ja selbstverständlich. Bei der Transferale ging es auch und ganz gezielt um den Transfer in die Gesellschaft. Wir wollten zeigen, dass sich Wissenschaftler*innen mit Herausforderungen beschäftigen, die das Leben von allen betreffen. Dass sie an Lösungen auch für alltägliche Probleme arbeiten, und dass Menschen daran auf ganz unterschiedliche Art und Weise mitwirken können. Das war das oberste Ziel. Denn nicht nur ich bin fest davon überzeugt, dass man dadurch Desinformationen vorbeugt, Offenheit für die Wissenschaft herstellt, unsere Demokratie stärkt und zur Teilhabe ermutigt.

Warum an fünf Tagen und fünf verschiedenen Orten?

Ella Frühwirt: Weil wir sehr unterschiedliche Angebote für völlig verschiedene Zielgruppen hatten. Das kriegt man nicht an einem Ort und an einem Tag zusammen, zumindest nicht mit Erfolg. Deshalb gingen wir auf unsere Partnereinrichtungen zu und richteten die gemeinsam entwickelten Veranstaltungen dort aus, im Kreuzberger Coworking-Space Cambridge Innovation Center, in dem das Gründungszentrum der HWR zuhause ist, genauso wie im Neuköllner Pflege & Wohnen Sunpark, einem Unternehmen der Johannesstift Diakonie, um zwei Orte zu nennen.

Bitte geben Sie Beispiele!

Ella Frühwirt: Gerne. Da wäre der Tag in der sogenannten GLASBOX, dem Makerspace der BHT. Dort war unter anderem ein Reparatur Parcours aufgebaut, in dem Schüler*innen lernten, ihre Kleidung zu reparieren, zu löten oder einen Fahrradschlauch zu flicken. Die Kids hatten vorher keinen Bezug zur Hochschule und beschäftigten sich nun dank Transferale ganz spielerisch mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Oder der Tag im Pflege & Wohnen Sunpark der Johannesstift Diakonie. Dort klärten Wissenschaftler*innen die Bewohner*innen in Vorträgen auf, wie man durch Hitzewellen kommt und gesund altert. Es gab Workshops für Beschäftigte in der Pflege und ein Erzählcafé. Wir haben quasi Brücken gebaut, über die Hochschulangehörige, Bewohner*innen und Fachkräfte in den Austausch gingen und alle Beteiligten neue Impulse bekamen.

Wurden auch völlig neue Formate ausprobiert?

Prof. Dr. Molthagen-Schnöring: Da fallen mir die Rikscha-Fahrten beim Finale in der Villa Elisabeth in Berlin-Mitte ein. In diesen Rikschas nahmen jeweils ein*e Wissenschaftler*in und ein*e Besucher*in Platz und kamen während der Fahrt durch den Kiez miteinander ins Gespräch. Ich bin selbst eingestiegen und hatte einen wunderbaren Austausch zum Thema Transfer und Kultur - den ich mit meiner Mitfahrerin fortsetzen werde. Andere berichteten Ähnliches. 

Wie profitierte die Wissenschaft von der Transferale?

Ella Frühwirt: So eine Veranstaltung hilft, die Kontakte zu den Praxispartnern zu pflegen und zu festigen. Sie stärkt auch die Beziehungen zwischen den beteiligten Hochschulen, also den Professor*innen, Studierenden und den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen. Unsere Zusammenarbeit hat sich deutlich verbessert.  Das ist wichtig für künftige Kooperationen. Außerdem werden Bedarfe aus der Gesellschaft artikuliert, welche die Wissenschaftler*innen später aufgreifen können. 

Was kommt nach der Transferale?

Prof. Dr. Molthagen-Schnöring: Die einwöchige Transferale war ja Bestandteil des großen Verbundprojekts „Zukunft findet Stadt“. Andere Formate im Projekt werden wir bis Projektende im Dezember 2027 fortsetzen. Und wir überlegen schon, wie es danach weitergeht. Denn eines hat sich gezeigt: Durch die enge Kooperation haben die Hochschulen neue Potenziale erschlossen. Das Ende des Projekts darf nicht das Ende unserer Zusammenarbeit bedeuten. Wir wollen weitermachen, und dafür suchen wir Lösungen und Finanzierungsquellen.

Transferale und „Zukunft findet Stadt“

Die Transferale fand zum zweiten Mal statt. Das Wissenschafts- und Transferfestival war eines von mehreren Formaten im Verbundprojekt “Zukunft findet Stadt. Hochschulnetzwerk für ein resilientes Berlin”. Es wird getragen von der HTW, der HWR, der BHT, der Evangelischen und der Katholischen Hochschule. Gemeinsam bearbeiten sie fach- und hochschulübergreifend städtische Herausforderungen in den Bereichen Klima, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Resilienz. Dabei kooperieren sie mit verschiedenen Praxispartner*innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft und erproben neue Form der Zusammenarbeit. Das Projekt „Zukunft findet Stadt“ läuft noch bis Dezember 2027. 

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