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Was tun, wenn jemand eine Grenze überschreitet?

Zwei Studentinnen wenden sich an ihre Buddies, dass sie in einer studentischen Chatgruppe sexuell belästigt wurden. Was können die Buddies jetzt tun? Wie können sie helfen, ohne die Situation für die Betroffenen noch schwieriger zu machen?

Das Beispiel stammt aus einer Schulung für Buddies an der HTW Berlin. Die erfahrenen Studierenden begleiten Erstsemester beim Einstieg ins Studium und sind oft erste Ansprechpersonen für Fragen rund um den Hochschulalltag. Doch was, wenn es dabei nicht mehr um Stundenpläne oder Prüfungen geht, sondern um Grenzüberschreitungen?

Genau darüber hat Sally Paege, Referentin für Gender, Antidiskriminierung und Diversität, mit Buddies aus den Fachbereichen 1, 2 und 3 gesprochen. Im Mittelpunkt standen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt, kurz SDG, insbesondere in digitalen Räumen. Die Buddies erfuhren, wie sie problematische Situationen erkennen, Betroffene unterstützen und an die richtigen Stellen weitervermitteln können. „Wie relevant das Thema ist, zeigt sich auch daran, dass ich auch nach Abschluss der Schulung zahlreiche Rückfragen erhalten habe“, sagt Sally Paege.

Eine Kampagne, die im Hochschulalltag ankommt

Die Buddy-Schulungen sind ein Baustein der Kampagne „Speak up! Gemeinsam gegen sexualisierte Belästigung und Gewalt“, die seit dem 15. Oktober und noch bis zum 26. November 2026 an der HTW Berlin läuft.

Die Kampagne wurde im Antidiskriminierungsrat der Hochschule besprochen und wird von Sally Paege und Jette Hausotter umgesetzt. „Wir wollen, dass die HTW Berlin ein sicherer Ort für alle ist. Dafür reicht es nicht, Richtlinien und Beratungsangebote zu haben. Entscheidend ist, dass unsere Hochschulangehörigen ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten kennen und sich trauen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen“, erklärt Prof. Dr. Annabella Rauscher-Scheibe, Präsidentin der HTW Berlin.

Dazu setzt die Kampagne auf unterschiedliche Wege. Deutsch- und englischsprachige Plakate machen auf dem Campus auf das Thema aufmerksam. Sie vermitteln eine klare Botschaft und verweisen auf Anlaufstellen. Wer selbst auf das Thema aufmerksam machen möchte, kann die Plakate über die Kampagnenwebsite herunterladen.

Auch in Lehrveranstaltungen soll „Speak up!“ präsent sein. Dafür stehen Lehrenden drei Folien mit Informationen zu sexualisierter Belästigung und Gewalt sowie den Beratungs- und Meldestellen der Hochschule zur Verfügung. Sie können die Materialien auf Deutsch oder Englisch herunterladen, in ihren Veranstaltungen zeigen oder über Moodle bereitstellen.

Unterstützung suchen ist ein erster Schritt

Wer an der HTW Berlin sexualisierte Belästigung oder Gewalt erlebt, kann sich an verschiedene Stellen wenden. Dazu gehören die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, die Zentrale Antidiskriminierungsstelle, die Psychologische Beratung und das Sozialreferat des AStA. Auch das Meldeportal der Hochschule bietet die Möglichkeit, einen Vorfall zu melden, auf Wunsch anonym. Wer sich zunächst vertraulich beraten lassen möchte, kann dafür verschiedene Ansprechpersonen kontaktieren.

Neben Informationen und Beratung bietet die Kampagne Möglichkeiten, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, findet am Campus Wilhelminenhof ein Selbstbehauptungsworkshop für Studierende und Beschäftigte statt, die sich als FLINTA* identifizieren. Hier geht es darum, Grenzen zu setzen, selbstbewusst aufzutreten und Handlungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen kennenzulernen.

Für Beschäftigte gibt es außerdem Fortbildungen zu Vielfalt, Macht, Antidiskriminierung und zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Einige Angebote finden auch über den Kampagnenzeitraum hinaus statt.

Hinschauen statt wegsehen

Ob in einer Lehrveranstaltung, im Büro oder in einer studentischen Chatgruppe: Grenzüberschreitungen können überall dort vorkommen, wo Menschen miteinander zu tun haben. Nicht immer ist auf den ersten Blick klar, wie sich eine Situation einordnen lässt oder welche Schritte sinnvoll sind.

Die Kampagne „Speak up!“ will deshalb nicht nur Betroffene erreichen. Sie richtet sich an alle Hochschulangehörigen. Denn wer weiß, wie er oder sie bei sexualisierter Belästigung reagieren und wo Unterstützung gefunden werden kann, ist besser auf solche Situationen vorbereitet.