Zum Hauptinhalt / Skip to main content

KI trifft Kultur

Hallo Sophie, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über deine Arbeit an der HTW Berlin und innerhalb der Europäischen Hochschulallianz EUonAIR zu sprechen! Erzähl uns doch erstmal ein bisschen von dir.

Hallo! Ich bin Sophie. Ich habe Angewandte Informatik im Bachelor und Master an der HTW studiert und arbeite jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Informatik und Gesellschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Katharina Simbeck. Gleichzeitig promoviere ich kooperativ an der HU Berlin.

Ich forsche zum Thema KI in der Hochschulbildung und fokussiere mich dabei insbesondere auf die Bereiche Kultur und Design. Mein Interesse gilt aber generell dem Einsatz moderner Technologien im kulturellen und kreativen Bereich.

Mit dem Ende meines Bachelors habe ich als studentische Mitarbeiterin in einer anderen Forschungsgruppe an der HTW angefangen. Dort ist auch mein Interesse an diesem Thema entstanden. Wir hatten zu der Zeit verschiedene Projekte mit Kulturpartnern, unter anderem mit dem Konzerthaus Berlin und dem Museumsverband Brandenburg.

Du bist Teil von EUonAIR. An welchen Themen arbeitest du innerhalb der Allianz, und hast du konkrete Beispiele, was sich aus der internationalen Zusammenarbeit ergeben hat?

Ja, seit Anfang 2025 bin ich Teil von EUonAIR. Hier entstehen Open Educational Resources zum Thema KI für eine eigens entwickelte Kursplattform. Mein Themengebiet ist dabei „Ethische Herausforderungen von KI in Kultur und Design“.

Neben der spannenden Projektarbeit haben sich durch EUonAIR auch einige tolle Möglichkeiten für mich ergeben. So war ich beispielsweise im September 2025 bei der Higher Education Institutes Conference (HEIC) in Dubrovnik, die vom EUonAIR-Partner Zagreb School of Economics and Management (ZSEM) organisiert wird. Dubrovnik ist nicht nur eine wirklich tolle Stadt, ich konnte dort auch endlich viele EUonAIR-Kolleg*innen persönlich kennenlernen.

Daraus entwickelte sich ein Forschungsaufenthalt an der Partneruniversität CEU Abat Oliba in Barcelona, den ich von Februar bis April 2026 durchgeführt habe. Den Campus und Arbeitsalltag in Spanien für einige Monate zu erleben, war eine großartige Erfahrung für mich. Genau das ist es auch, was mich daran begeistert, in einem internationalen Projekt zu arbeiten.

Aus diesem Forschungsaufenthalt heraus haben eine Kollegin und ich gemeinsam ein Paper zum Thema KI und Berufsorientierung unter Schüler*innen verfasst. Dieses haben wir auf der FUTURES Conference an der Luxembourg School of Business, ebenfalls Teil von EUonAIR,  vorgestellt und wurden dafür mit dem Best Paper Award ausgezeichnet.

In deiner Arbeit verbindest du Informatik und Kulturwissenschaften. Warum ist es wichtig, diese Disziplinen zusammenzudenken, und was möchtest du Studierenden in diesem Zusammenhang gerne vermitteln?

Wie schon kurz angerissen: Während ich an meiner Bachelorarbeit geschrieben habe, begann auch meine Arbeit in der INKA-Forschungsgruppe an der HTW. In meinem ersten Projekt habe ich dort mit dem Museumsverband Brandenburg Web-Augmented-Reality-Anwendungen entwickelt. Kurz darauf folgte mein erstes länderübergreifendes Projekt mit universitären und kulturellen Partnern aus Berlin, Florenz und Lviv.

In diesem Projekt haben wir Konzertsäle digitalisiert und auralisiert, das heißt, wir haben auch die Klangumgebung realitätsnah nachgebildet. Die Säle konnten anschließend im 3D-Raum mithilfe einer Virtual-Reality-Brille erkundet werden, wobei man ein Musikstück im Klang des realen Saals erleben konnte.

Diese Projekte und insbesondere die Arbeit in interdisziplinären und internationalen Teams haben mich sehr geprägt und mir gezeigt, wo mein Forschungsinteresse liegt: Technologien eröffnen neue Wege, Kunst und Kultur zu erleben.

Mittlerweile hat sich mein Fokus von Augmented und Virtual Reality hin zu Künstlicher Intelligenz verschoben. KI spielt seit einigen Jahren eine immer größere Rolle in Museen und Kultureinrichtungen. Mit den neuen Möglichkeiten gehen auch zahlreiche Herausforderungen einher.

Darüber möchte ich aufklären und bereits in der Hochschulbildung ansetzen, also bei Studierenden aus Kulturwissenschaften und Design-Studiengängen. KI bietet viele Chancen, kulturelle und kreative Arbeit neu zu gestalten, gleichzeitig ist ein bewusster und vor allem kritischer Umgang damit entscheidend, das möchte ich vermitteln!

Kannst du uns ein konkretes Projekt aus deiner Arbeit vorstellen, zum Beispiel deine Zusammenarbeit mit dem Museum Schwerin? 

Ein konkretes Beispiel aus den letzten Jahren ist das Projekt „KI im Museum“, das ich mit Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign an der HTW und dem Staatlichen Museum Schwerin umgesetzt habe. Ziel war es, eine digitale Vermittlungsstation für ein Ausstellungsstück zu entwickeln. Das Museum trat zunächst mit dem Wunsch an uns heran, entsprechende Konzepte zu erarbeiten.

Im Rahmen eines Kurzzeitprojekts im Studiengang Kommunikationsdesign entstanden daraufhin drei unterschiedliche Ansätze, die dem Museum präsentiert wurden. Eines dieser Konzepte wurde so positiv aufgenommen, dass wir uns entschieden haben, es mit den Ideengebern Max Beyer und Timon Gemmer, der Volontärin Patricia Parravano vom Museum und mir weiterzuentwickeln und als funktionierende Anwendung umzusetzen.

Das Ergebnis ist eine App, die Besucher*innen ein virtuelles Gespräch mit Herzog Johann Albrecht I., dem Auftraggeber eines Renaissance-Altars, ermöglicht. Stimme, Animationen, Videos und Teile der Texte wurden dabei mithilfe von KI generiert, selbstverständlich unter enger fachlicher Begleitung durch die Kurator*innen.

Seit der Wiedereröffnung des Museums im Oktober 2025 wird die Anwendung nun vor Ort im Staatlichen Museum Schwerin präsentiert. Die Ausstellungseröffnung zu besuchen und unsere Anwendung im Einsatz zu erleben, war für mich ein ganz besonderer Moment. Unser Ziel, den Altar und seine biblischen Szenen für ein breites Publikum zugänglich und erlebbar zu machen, haben wir erreicht.

Wenn du nach vorne blickst: Was möchtest du in deiner Arbeit, insbesondere im Rahmen von EUonAIR, noch umsetzen oder erreichen? Welche Rolle kann EUonAIR deiner Meinung nach in Zukunft für Forschung und Lehre spielen?

Ich möchte insbesondere meinen Kurs „Ethical Challenges of AI in Culture and Design“ fertig ausarbeiten und Studierenden und Lehrenden zur Verfügung stellen. Ich würde mich auch freuen, Workshops zum Thema anzubieten. So habe ich beispielsweise dieses und letztes Jahr einen Auszug aus dem Kurs zum Thema Stereotypen in KI-generierten Bildern bei der Langen Nacht der Wissenschaften angeboten. Wenn möglich, würde ich außerdem gerne einen weiteren Forschungsaufenthalt bei einem der anderen EUonAIR-Partner absolvieren und deren Campus sowie Arbeitsalltag kennenlernen. Generell freue ich mich über jede internationale Kooperation, die sich ergibt. 

Ende September werde ich an einem BIP (Blended Intensive Programme) meiner Professorin Katharina Simbeck beteiligt sein, bei dem Studierende von vier verschiedenen EUonAIR-Partnern nach Berlin kommen werden. Ich glaube, dass gerade diese Begegnungen ein großes Potenzial für Forschung und Lehre bieten: Wenn unterschiedliche Hochschulen und Perspektiven zusammenkommen, entstehen neue Ideen dafür, wie wir Zukunftsthemen wie KI gemeinsam bearbeiten und vermitteln können. Genau dieser Austausch ist für mich eine der größten Stärken von EUonAIR.

Du bist auf einer Konferenz und hast drei Sätze, um einer anderen Person EUonAIR und deine Rolle darin zu erklären. Was sagst du?

EUonAIR ist eine Hochschulallianz aus 10 Partnern, in der wir unter anderem Open Educational Resources zum Thema KI für Studierende und Lehrende entwickeln. Ziel ist es, hochwertige, frei zugängliche Lernangebote bereitzustellen, die sowohl technische Grundlagen als auch ethische Aspekte von KI vermitteln. Meine Rolle liegt vor allem in der Forschung und Entwicklung dieser Bildungsangebote für die Bereiche Kultur und Design, wobei ich mich insbesondere mit Fragen zu AI-Literacy, dem kreativen Einsatz von generativer KI sowie den Auswirkungen von KI auf kulturelle Praxis und Designprozesse beschäftige.