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Lena Hornecker

Lena Hornecker

Bevor Lena Hornecker zum Interview kommt, hat sie bereits ein Positionspapier zu aktuellen start-up-politischen Fragen durchgesehen, E-Mails beantwortet und Gesprächspartner*innen für anstehende Veranstaltungen recherchiert. Politische Positionen erarbeiten, relevante Akteur*innen zusammenbringen und den Austausch zwischen Startups, Wirtschaft und Politik gestalten – all das gehört zu ihrem Arbeitsalltag als Managerin Startups & Scaleups beim Wirtschaftsverband Bitkom. Warum ihr der Job Spaß macht und was das Masterstudium Europäische Wirtschaftspolitik an der HTW Berlin dafür gebracht hat, verrät die HTW-Absolventin Lena Hornecker im Interview. Den Bachelor International Relations and Management hat sie an der OTH Regensburg gemacht, außerdem Praxiserfahrung bei einem spanischen Startup und bei der Bertelsmann Stiftung gesammelt. 

Vorneweg: Startups kennt man, aber was sind Scaleups?

Scaleups sind junge Wachstumsunternehmen, die ihre Geschäftsmodelle erfolgreich am Markt validiert haben und sich in einer Phase starken Wachstums befinden, beispielsweise viele Arbeitsplätze aufbauen und auf neue Märkte skalieren. Das gelingt in Deutschland bzw. Europa aus verschiedenen Gründen seltener als beispielsweise in den USA. Deshalb bemühen wir uns als Verband, die Perspektiven junger Wachstumsunternehmen stärker in die politische Entscheidungsfindung einzubringen und als festen Bestandteil der Wirtschafts- und Innovationspolitik zu verankern. Wir wollen, dass Deutschland und Europa selbst mehr globale Tech-Champions hervorbringen. Dafür braucht es mehr europäisches Kapital in der Later-Stage, weniger Bürokratie und einen vollendeten Binnenmarkt.

Wie tragen der Verband und Sie dazu bei?

Beim Bitkom bündeln wir unsere Startup-Aktivitäten unter der Initiative „Get Started by Bitkom“ und vertreten die Interessen von aktuell rund 700 Startups und Scaleups auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Wir unterstützen junge Wachstumsunternehmen durch die Vernetzung mit Politik, Wirtschaft und weiteren Akteuren des Startup-Ökosystems und schaffen Sichtbarkeit für unsere Founder auf unseren Veranstaltungen. Unser Team besteht aus fünf Personen, die sich um die Startup-Themen im Verband kümmern. Gleichzeitig stehen wir in engem Austausch mit unseren Fachkolleginnen und -kollegen, damit die Startup-Perspektive in allen Themenbereichen des Bitkom stets mitgedacht wird.

Nutzt das Know-how aus dem Studium Europäische Wirtschaftspolitik?

Auf jeden Fall. Denn gerade im Bereich Digitalisierung kommen viele gesetzliche Regelungen aus Brüssel, also von der Europäischen Union. Denken Sie an den EU AI Act, der auch Startups stark betrifft, oder an die EU Inc. als geplante paneuropäische Gesellschaftsform, die Startups das Wachstum über nationale Grenzen hinweg erleichtern soll. Da hilft das Grundverständnis von Europa aus dem Masterstudium. Durch das Studium habe ich ein gutes Verständnis dafür bekommen, wie die EU funktioniert, wer wofür zuständig ist und wie politische Entscheidungen zustande kommen

Wichtig sind meiner Meinung nach aber auch die Softskills, die ich an der HTW Berlin erworben habe. Ich denke vor allem an den ständigen Perspektivenwechsel: Wir haben in zwei europäischen Hauptstädten, Berlin und Wien, studiert und waren dabei immer eine gemeinsame Studiengruppe aus deutschen und österreichischen Studierenden. Man unterschätzt manchmal, wie unterschiedlich zwei Länder sein können, obwohl sie dieselbe Sprache sprechen. Gerade deshalb waren die Diskussionen im Studium spannend. Der Austausch hat uns immer wieder dazu gebracht, die eigene Sichtweise zu hinterfragen und andere einzunehmen. 

Reisen Sie viel als Managerin Startups und Scaleups?

Ich bin oft innerhalb von Berlin unterwegs, da meine Verantwortung bei der Bundesebene liegt. Aber ich besuche auch Veranstaltungen in Deutschland, sei es ein Innovationsfestvial in Freiburg oder die größte Startup Konferenz „Bits & Pretzel“ in München.

Was macht besonders viel Spaß im Job?

Es begeistert mich immer wieder, die Menschen in den Startups und Scaleups persönlich kennenzulernen. Ich darf mich mit ihren Innovationen befassen, erlebe den Tatendrang, mit dem sie ihre Geschäftsidee voranbringen, und welche Visionen sie für den Wirtschaftsstandort Deutschland mitbringen. 

Diesen Tatendrang spürt man aber auch beim Bitkom selbst. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Themenbereichen arbeiten wir daran, die Digitalisierung in allen Branchen, aber auch in Staat und Verwaltung voranzubringen. Das Spannende daran ist für mich, dass es nicht nur darum geht, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, sondern auch darum, wie digitale Technologien unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben verbessern können.

Welche Rolle spielt das Thema Gender?

Mir persönlich ist das Thema Chancengleichheit sehr wichtig und auch im Verband spielt es eine zentrale Rolle. Bei unseren Veranstaltungen achten wir beispielsweise darauf, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Panels möglichst ausgewogen zu besetzen. Gleichzeitig sind Frauen im deutschen Startup-Ökosystem nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Das liegt nicht an fehlenden Ideen oder unternehmerischem Potenzial, sondern auch an strukturellen Hürden, etwa beim Zugang zu Kapital, Netzwerken oder der Vereinbarkeit von Gründung und Familie. Hier müssen wir ansetzen und die Rahmenbedingungen verbessern. Deshalb setzen wir uns auch politisch für mehr Chancengleichheit ein, zuletzt mit einem Positionspapier zur besseren Vereinbarkeit von Gründung und Mutterschaft.

Was empfiehlt die Absolventin heutigen Studierenden?

Gerade wenn das Studium zu Ende geht und man auf einen aktuell schwierigen Arbeitsmarkt trifft, würde ich mich nicht entmutigen lassen. Mein Rat wäre, sowohl bei der Jobbezeichnung als auch beim Einstiegslevel offen zu bleiben. Nicht jede Stelle, die politisches Arbeiten ermöglicht, trägt das auch direkt im Titel. In ganz unterschiedlichen Positionen kann man politisches Handwerk lernen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Und wenn es mit der Festanstellung nicht direkt klappt, kann auch ein weiteres Praktikum neue Türen öffnen. Irgendeine Tür geht nämlich immer auf!

Lena Hornecker © HTW Berlin_Alexander Rentsch
Lena Hornecker mit LaptopLena Hornecker beim Bundestagsgebäude
Lena Hornecker © HTW Berlin_Alexander Rentsch

Weiterführende Links

Der Branchenverband Bitkom e.V.

Der Branchenverband Bitkom e.V. wurde 1999 gegründet, zählt mehr als 100 Beschäftigte und hat seit 2019 eine Geschäftsstelle in Berlin. Bitkom beschreibt sich selbst als wichtigsten Digitalverband und größten europäischen Think Tank zu Digitalthemen. Erklärtes Ziel: Deutschland zu einem führenden Digitalstandort zu machen, die digitale Transformation von Wirtschaft und Verwaltung voranzutreiben, digitale Souveränität zu stärken und eine breite gesellschaftliche Teilhabe an digitalen Entwicklungen zu erreichen. Derzeit sind mehr als 2.200 Unternehmen Mitglied, darunter mehr als 1.000 Kleine und mittlere Unternehmen, rund 700 Tech-Startups, die Hälfte der 40 DAX-Unternehmen und viele weitere Global Player. 

Die Fragen stellte Gisela Hüttinger, Transfer- und Projektkommunikation
Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Berlin, 28. Oktober 2026