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Jean Meistring

Jean Meistring

Wer an die BVG denkt, hat Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen vor Augen, vielleicht noch Fährschiffe. Aber Lastwagen, Transporter oder ein Kühlfahrzeug? Tatsächlich fahren auch sie für die Berliner Verkehrsbetriebe. Sage und schreibe 500 Fahrzeuge gehören zum Fuhrpark. Sie alle müssen beschafft und instandgehalten, irgendwann ausgemustert und wieder ersetzt werden. Genau das ist die Aufgabe von Jean Meistring. Seit 2021 gehört der HTW-Absolvent des Studiengangs Fahrzeugtechnik zum 15-köpfigen Team des BVG-Fuhrparks. Was seinen Job ausmacht und wie weit das Know-how aus dem Studium reicht, erzählt er im Interview. Wir führen es via Freisprechanlage, während Jean Meistring einen Lkw in die Werkstatt lenkt. 

500 Fahrzeuge im Fuhrpark sind eine Menge, oder?

Das stimmt. Wie weitläufig der Fuhrpark der BVG aufgestellt ist, habe ich tatsächlich erst im Job gemerkt. Da gibt es Lastwagen, mit denen Instandhaltungstechnik zu den U-Bahnhöfen gebracht wird. Es braucht Transporter, um die Werkstätten mit Material zu versorgen. Ein Kühltransporter beliefert die Betriebskantine. Und dann sind da diverse Dienstfahrzeuge für Elektriker, Maurer, Leute vom Sicherheitspersonal etc. Sie alle müssen mitsamt Werkzeug zum Einsatzort kommen. Kurz: Im Team Fuhrpark kümmern wir uns um alle Fahrzeuge der BVG jenseits der öffentlichen Personenbeförderung. 

Und Ihre konkrete Aufgabe?

Ich bin das Bindeglied zwischen denen, die die Fahrzeuge nutzen, und der Abteilung, die sie einkauft. Das heißt konkret: Ich kläre mit den betreffenden Kolleg*innen sämtliche Spezifikationen, beispielsweise die Antriebstechnik, das benötigte Ladevolumen, eventuelle Anforderungen rund um Hydraulik und Elektrik etc. Alles muss zu den Erfordernissen im Betrieb passen, schließlich will man Fehlkäufe vermeiden und die Fahrzeuge über viele Jahre nutzen. Auf der Grundlage des Anforderungsprofils kann der Einkauf dann vergleichbare Angebote einholen. Wenn es um Spezialfahrzeuge geht, die eigens für die BVG angefertigt werden, begleite ich den Bau, bin also auch oft in der Werkstatt, kümmere mich um Prüfungen und die Abnahme. Das macht mir Freude, denn ich mag den engen Bezug zur Technik. 

Haben Sie all das im Studium gelernt?

Ja und nein. Ich habe im Studium viel wichtiges Wissen erworben, von der Fahrzeugmechanik bis zur Elektrik. Das war ziemlich anspruchsvoll. Aber gefühlt kommt jeden Tag etwas Neues dazu. Das Studium alleine reicht für den Job definitiv nicht aus. Man muss viel Eigeninteresse mitbringen und auch die Motivation, sich mit neuen Entwicklungen zu beschäftigen. Beispiel Elektromobilität: Als ich von 2014 bis 2020 meinen Bachelor bzw. meinen Master an der HTW Berlin machte, war das noch ein Nischenthema. Inzwischen ist es die Mobilität der Zukunft. 

Und wie weit sind Sie mit der Umstellung der Flotte?

Etwa die Hälfte unserer 500 Fahrzeuge verfügen schon über Elektroantrieb. Bei normalen Pkw, die täglich ein paar Mal von A nach B fahren, war das gar kein Problem. Schwieriger ist es bei größeren Nutzfahrzeugen. Da muss ich wirklich genau rechnen – wie hoch ist der Spritverbrauch, wie wird das Fahrzeug genutzt - und mit Fakten darstellen, dass das auch im Elektrobetrieb funktioniert. Das letzte Elektrofahrzeug, das wir eingeflottet haben, war ein Kühltransporter. Wir kommen bei der Umstellung also voran, aber 100 Prozent E-Mobilität zu erreichen wird herausfordernd. Genügend Arbeit für die Zukunft, würde ich sagen.

Würden Sie das Fahrzeugtechnik-Studium weiterempfehlen?

Studieren sollte man immer das, was einen persönlich interessiert, im Idealfall ein Fach, das einem Spaß macht und mit dem man sich auch in der Freizeit gerne beschäftigt. Ich war in der Schule in einer AG Maschinenbau, die Spezialisierung in Richtung Fahrzeugtechnik ergab sich dann bei Studienbeginn, danach wollte ich beruflich etwas mit Nutzfahrzeugen machen.

Sehr geholfen hat mir die Struktur des HTW-Studiums. Mit dem Stundenplan ließ es sich gut lernen, obwohl der Stoff ziemlich komprimiert war. An der Uni hätte ich das wohl nicht in der Zeit bewältigt. Auch das gemeinsame Lernen in Gruppen war toll. Je nach Thema und Kenntnissen haben wir uns gegenseitig unterstützt.

Wo finden Sie den Ausgleich zum Job?

Bei der Freiwilligen Feuerwehr, früher in Karlshorst, jetzt in Lichtenberg. Da kann ich mein Wissen einbringen und auch noch ein wenig dazulernen. Außerdem fahre ich gerne BMX-Rad und treibe gerne Sport. 

Jean Meistring am Steuer eines Lkw © HTW Berlin_Alexander Rentsch
Jean Meistring im BVG-FuhrparkJean Meistring im Porträt
Jean Meistring auf einem BVG-Spezialfahrzeug © HTW Berlin_Alexander Rentsch

Die Fragen stellte Gisela Hüttinger, Transfer- und Projektkommunikation
Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Berlin, 27. Juli 2026