Geschichten im Raum erzählen
Goethes Arbeitszimmer in Weimar interaktiv erlebbar machen, ein Live-Konzert auf der Kuppel des Zeiss-Großplanetariums visualisieren, oder Gesunden das Lebensgefühl von Menschen mit einer Krankheit wie Endometriose vermitteln: Prof. Pablo Dornhege liebt es, sich in Projekten völlig unterschiedlichen Themen zu widmen. Und jedes Mal genau zu überlegen, welche Medien – Plural! – geeignet sind, die dazugehörige Geschichte im Raum zu erzählen. Genau das ist seine Aufgabe als Professor für Transmediale Gestaltung. „Fast alle Themen sind viel zu komplex, um nur auf einem Display dargestellt zu werden“, sagt der Designer. Der Mensch sei schließlich mehr als Auge und Gehirn.
Es dürfen gerne verschiedene Medien sein
Mehr als Auge und Gehirn, weil ein multisensorisches Wesen; außerdem sind Menschen fähig zur multimodalen Interaktion, also zur Nutzung verschiedener Sinne, Kommunikationsformen und technischer Methoden, um etwas zu begreifen. Das sind zwei zentrale Botschaften, die Prof. Dornhege Studierenden in seiner ersten Lehrveranstaltung mit auf den Weg gibt. Sie dürfen, nein: sie mögen sich bitte verschiedener Medien bedienen, um Inhalte an die Zielgruppe zu vermitteln. 2D und 3D, Augmented, Virtual und Mixed Reality, Projektionen, Sounddesign und Installationen, kinetische Objekte und interaktive Lichtsysteme. Für den Ausstellungsdesigner ist „Transmediale Gestaltung ein riesengroßer Container“.
Auch studentische Interaktion ist wichtig
Gemeinsam mit Studierenden aus diesem Container zu schöpfen und Konzepte für die Inszenierung von Inhalten im Raum zu entwickeln, macht ihm immer wieder aufs Neue Freude. Im Sommer setzt Prof. Dornhege die Themen, im Winter tun das die Studierenden. Etwa ein Dutzend angehende Kommunikationsdesigner*innen begleitet er in jedem Projekt, und wenn sie im Laufe des Semesters die Räume der HTW mit Beschlag belegen, dann ist der Hochschullehrer zufrieden. „Die Qualität des Studiums definiert sich nicht nur über die professorale Lehre, sondern maßgeblich auch über das, was zwischen den Studierenden passiert“, erinnert er sich an seine eigene Studienzeit. Die Hochschule müsse ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine und ein Wasserkocher könnten da Wunder bewirken, lächelt er.
Renommierte Partner in vielen Projekten
Viele seiner Projekte realisiert er in Kooperation mit Partnern. In Weimar war es das Goethe-Nationalmuseum, in Berlin die Stiftung Planetarium oder aktuell das Futurium. Auch der Fernsehsender Arte TV gehörte schon dazu. „Wer solitär arbeitet, gerät in eine Elfenbeinturm-Mentalität“, ist er überzeugt. Das will er vermeiden. Nicht zuletzt deshalb ist ihm auch Vernetzung ein Anliegen. An der HTW brachte er den studiengangübergreifenden Immersive Technologies Hub mit auf den Weg. Und mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Christoph Holtmann initiierte Prof. Dornhege ein 'Netzwerk der Netzwerke' für XR-Akteur*innen. Den Austausch mit anderen und die Arbeit an Schnittstellen zu Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Politik will er nicht missen. „Das erweitert die eigene Perspektive und gibt mir neue Impulse“.
