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Fit für die Professur mit dem Future Professors Programme

Cassian Gottlieb ist promovierter Physiker mit Vertiefung in den Materialwissenschaften und hat mehrere Jahre in Forschung und Industrie gearbeitet. An der HTW Berlin war er als Lehrbeauftragter tätig. Im vergangenen Jahr nahm er am Future Professors Programme (FPP) des Lehrenden-Service-Center der HTW Berlin teil, das im September 2026 endete. Das Programm begleitet Personen, die sich für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) interessieren ein Stück auf diesem Weg: unter anderem mit Workshops, Challenges, Mentoring, Zielgesprächen und dem Austausch innerhalb der Peer-Gruppe. Im Gespräch berichtet er über seinen Werdegang und seine Teilnahme am Programm.

Sie hatten bereits einige Jahre Lehrerfahrung an der HTW Berlin und sogar schon ein Berufungsverfahren erlebt. Warum wollten Sie trotzdem am FPP teilnehmen?

Ich wusste schon vorher, dass eine HAW-Professur für mich grundsätzlich interessant ist. Durch meine Lehraufträge in den letzten Jahren hatte ich auch bereits einen guten Einblick in den Kosmos Hochschule. Mich hat deshalb vor allem interessiert: Wo stehe ich eigentlich selbst? Was bringe ich schon mit und wo gibt es noch Themen, mit denen ich mich intensiver beschäftigen sollte?
Das FPP bot mir genau dafür eine gute Gelegenheit. Es ging nicht nur um Berufungsverfahren, Lehre oder akademische Selbstverwaltung. Man beschäftigt sich auch sehr intensiv mit dem eigenen Profil und der Frage, wie man sich weiterentwickeln möchte.

Was hat Ihnen im Laufe des einjährigen Programms besonders geholfen?

Sich nebenberuflich im Bereich der Hochschuldidaktik weiterzubilden und einen Einblick in den Hochschulalltag zu erhalten hat mir stets großen Spaß gemacht, allerdings macht man im Alltag viele Dinge parallel und vergisst schnell, was inzwischen eigentlich alles passiert ist und welche Erfolge man schon zu verbuchen hat. Deshalb empfand ich die abendlichen Zielgespräche als sehr wertvoll.
In diesen Gesprächen habe ich dann bewusst zurückgeschaut: Was hatte ich mir vorgenommen? Was habe ich umgesetzt? Gleichzeitig geht der Blick nach vorne: Was steht noch an? Man hält also praktisch für einen Moment inne und verschafft sich einen Überblick. Diese Mischung aus Rückschau und Vorschau fand ich persönlich sehr bereichernd.

Das Programm setzt aber nicht nur auf Reflexion, sondern auch auf konkrete Aufgaben.

Genau, so gab es beispielsweise Challenges am Ende jedes Moduls, bei denen wir uns gezielt mit den zentralen Säulen des Programms beschäftigt haben. So sollte beispielsweise im Rahmen einer solchen Challenge ein eigenes Lehrkonzept entwickelt werden. Dabei konnte ich meine bisherigen Lehrerfahrungen, beispielsweise aus der Zeit als Lehrbeauftragter, aufgreifen und anhand eines Leitfadens mein Lehrkonzept weiterentwickeln und mein persönliches Profil für die Lehre schärfen. Natürlich kann man sich so etwas auch unabhängig vom Programm vornehmen. Aber wenn man es als konkrete Challenge festlegt, hilft das dabei, es auch wirklich durchzuziehen. Gleichzeitig wurden wir dabei von Expert*innen unterstützt. Das fand ich gut: Ich habe also nicht einfach nur Input bekommen, sondern man überlegt gemeinsam, was davon für die eigene Situation relevant ist und wendet es konkret an.

Was haben Sie im FPP Neues über den Beruf und die Berufung von HAW-Professor*innen gelernt?

Besonders spannend fand ich den Blick auf Berufungsverfahren. Den formalen Ablauf kannte ich bereits aus eigener Erfahrung. Im Programm ging es aber auch um die menschliche Seite solcher Verfahren.
Die klare Erkenntnis: Am Ende sitzen da auch nur Menschen. In einer Berufungskommission kommen unterschiedliche Perspektiven, Erwartungen und Interessen zusammen. Das hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass eine Entscheidung nicht allein davon abhängt, ob jemand fachlich geeignet ist. Es geht auch darum, welches Profil gerade gesucht wird und wie gut es zur Ausschreibung und zum Fachbereich passt.
Für mich war das eine wichtige Perspektive: Man kann sich gut vorbereiten, das eigene Profil schärfen und möglichst klar vermitteln, was man mitbringt. Gleichzeitig gibt es Faktoren, die man selbst nicht beeinflussen kann. Das hilft, solche Verfahren realistischer einzuordnen.

Das eigene Profil scheint ein wichtiger Punkt für Sie gewesen zu sein.

Ja. Wenn man verschiedene berufliche Stationen hinter sich hat, sieht man selbst manchmal vor allem die einzelnen Abschnitte und weniger das große Ganze.
Zu meinen Stationen gehören Forschung und Promotion zur Analyse von Baustoffen, mehrere Jahre in der Industrie mit einer Spezialisierung auf laserbasierte Messtechnik, Projekt- und Personalverantwortung sowie die Lehre ingenieurwissenschaftlicher Grundlagen an der HTW Berlin als nebenberuflicher Lehrbeauftragter. Im FPP ging es immer wieder darum, die eigene Expertise genauer anzuschauen: Was verbindet diese Erfahrungen? Wo liegen letztendlich meine Schwerpunkte? Das war eine gute Gelegenheit, das eigene Profil besser zu verstehen und weiter zu schärfen.

Welche Rolle spielte der Austausch mit den anderen Teilnehmenden und den Mentor*innen?

Eine wirklich große. Am Anfang haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Dabei hat sich relativ schnell ein reger Austausch entwickelt. Wir haben uns in der Vielzahl an angebotenen Weiterbildungsseminaren regelmäßig getroffen und inhaltlich ausgetauscht. Am Ende wurden sogar Stellenausschreibungen weitergeschickt, Bewerbungsunterlagen miteinander angeschaut und wir haben uns über Lehrprofile ausgetauscht. Wenn jemand ein Bewerbungs- oder Berufungsgespräch hatte, haben wir alle mitgefiebert und die Daumen gedrückt.
Spannend fand ich auch, dass wir alle sehr unterschiedliche fachliche und berufliche Hintergründe hatten und an verschiedenen Punkten standen. Dadurch bekommt man noch einmal andere Perspektiven auf die eigene Situation.
Ähnlich war es beim Mentoring. Meine Mentorin hat ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert und von ihrem eigenen Weg erzählt. Da habe ich dann verstanden, dass Karrierewege an Hochschulen nicht immer geradlinig verlaufen und manchmal einfach über die verrücktesten Umwege entstehen.

Wo stehen Sie heute mit Blick auf eine mögliche Professur?

Ich habe auf jeden Fall ein klareres Bild davon, was eine HAW-Professur bedeutet und was ich selbst dafür mitbringe. Dank des Programms und der hervorragenden Betreuung durch die Organisator*innen habe ich mich an vielen Stellen weiterentwickeln können. Die Vielseitigkeit einer Professur, nicht nur auf fachlicher Ebene in Bezug auf die anwendungsorientierte Forschung, sondern auch die Verantwortung bezüglich der Mitarbeit an einer stetigen Weiterentwicklung der didaktischen Konzepte zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaflter*innen hat mich wirklich beeindruckt. 
Gleichzeitig hat sich mein beruflicher Weg weiterentwickelt. Die Arbeit in der Industrie bzw. in einem außeruniversitären Umfeld ist ebenfalls spannend und abwechslungsreich. 
Deshalb würde ich heute nicht sagen: Der nächste Schritt muss eine Professur sein. Dafür gibt es ohnehin zu viele Faktoren, die man nicht planen und beeinflussen kann. Professor*innenstellen fallen schließlich nicht vom Himmel.
Eine HAW-Professur bleibt für mich eine tolle Vorstellung; wenn man dazu „berufen“ ist. Das FPP hat mir vor allem geholfen, meinen bisherigen Weg genauer anzuschauen, mein Profil besser zu verstehen und reflektierter darüber nachzudenken, welche beruflichen Möglichkeiten daraus entstehen können.