Ein besseres Produkt für Milliarden von Frauen
Die Menstruation ist ein Bloody Business; und sie kostet jede Frau im Laufe ihres Lebens einige Tausende Euro. Wenn frau überhaupt Zugang hat zu einschlägigen Produkten. Millionen von Frauen und Mädchen weltweit haben diesen Zugang nicht. Sie sind gezwungen, sich anderweitig zu behelfen. Das zu verändern, ist Ziel eines Forschungsprojekts im Studiengang Bekleidungstechnik/Konfektion. Unter Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Eppinger und in Kooperation mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut sowie dem Faserinstitut Bremen wird an umweltfreundlicher und funktionaler Menstruationsunterwäsche gearbeitet. Herauskommen soll der Prototyp eines nachhaltigen Massenprodukts, dessen Nutzung Müll vermeidet und auch Frauen in ärmeren Ländern eine Monatshygiene in Würde ermöglicht. Für Unternehmen könnte ein neues Geschäftsfeld entstehen.
Bis heute fehlt eine internationale Norm
Welche Schritte sind auf diesem Weg zu gehen? „Wir brauchen neue Fasern bzw. darauf basierende Gestricke, einen optimalen Schnitt für die Unterhosen und drittens geeignete Prüfverfahren“, benennt Prof. Dr. Eppinger die Herausforderungen. Hilfreich wäre außerdem eine internationale Norm. Die existiert bis heute nicht, auch deshalb, weil das Thema in vielen Ländern tabu ist. Deshalb bringt das HTW-Team seine Erkenntnisse in die Erarbeitung der ISO/TC 338 ein. Sie soll die Sicherheit von Menstruationsprodukten sicherstellen.
Ein neues Garn wird entwickelt und getestet
Für die Entwicklung des elastischen und biobasierten Garns sorgen das Sächsische Textilforschungsinstitut und das Faserinstitut Bremen. Was sie produzieren, wird auf dem Prüfstand der HTW Berlin getestet. Den hat Laboringenieur Bernd Schmidt für das Vorgängerprojekt konstruiert und weiter verbessert. „Unsere Periodenunterhose hat vier Lagen, die genau dort eingenäht sind, wo sonst eine Binde getragen wird“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin Jette Osterheider. Die oberste Lage muss durchlässig sein und das Blut ohne störendes Nässegefühl an die nächste Schicht verteilen. Die saugt die Flüssigkeit auf und sammelt sie, wohingegen die dritte Lage keinen Tropfen durchlassen darf und die äußerste Lage schützt. Je nach Schicht müssen die Textilien also unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.
Prototyp made @ HTW
Auch der Entwurf der Periodenunterhose ist Sache der HTW Berlin, genauer gesagt: die Aufgabe von Frederika Olliges im Labor manuelle Schnittkonstruktion. Im Labor Verarbeitungstechnik wiederum stehen die Konfektionsmaschinen für die Realisierung des Prototyps. Dann sind die Unternehmen am Zug. Sie begleiten das Vorhaben mit Interesse.
Der Markt für das Produkt ist groß
„Der Markt ist groß, täglich menstruieren etwa 300 Millionen Frauen“, sagt Prof. Dr. Eppinger. Ihre Vision: Die Menstruationsunterwäsche schafft den kommerziellen Durchbruch gegenüber Einwegprodukten. Und die Wissenschaftlerin sieht noch größeres Potenzial: Unsere Ergebnisse können die Basis sein für die Weiterentwicklung beispielsweise von Inkontinenzwäsche.
