Cordelia Schwarz
Cordelia Schwarz
Es klingt ein bisschen nach Klischee, und Cordelia Schwarz muss selbst lächeln, wenn sie davon erzählt. Ja, sie hat als Kind am liebsten mit Autos gespielt. Mit Autos konnte die Absolventin des Studiengangs Fahrzeugtechnik immer viel anfangen. Und Autos beschäftigen sie bis heute. Genauer gesagt: das Thema Fahrzeugsicherheit, speziell die Sicherheit von Frauen in Fahrzeugen. Sie steht im Fokus der wissenschaftlichen Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Darius Friedemann. Und sie wird der Ausgangspunkt sein für die geplante Promotion. Im Interview erzählt Cordelia Schwarz mehr über ihren Weg in dem noch immer von Männern dominierten Studiengang und über die Forschungslücke, die sie als Nachwuchswissenschaftlerin schließen möchte.
Wie kamen Sie an die HTW Berlin?
Ich kam für ein Praktikum nach Berlin und habe mich hier direkt wohlgefühlt. Mit der Fahrzeugtechnik an der HTW habe ich dann auch noch einen Studiengang gefunden, der mich wirklich interessierte. Im März 2026 habe ich ihn mit dem Master abgeschlossen.
Ist das Studium der Fahrzeugtechnik noch immer eine Männerdomäne?
Ich war tatsächlich oft die einzige Frau. Womöglich hätte ich deshalb sogar aufgegeben, aber während der Pandemie fand die Lehre online statt, und da spielte das keine so große Rolle. Im Master war die Gruppe kleiner und die Atmosphäre anders. Außerdem hatte ich mit der Fahrzeugsicherheit schon ein Thema entdeckt, das ich bis heute richtig spannend finde. Es ermöglichte mir auch ein interessantes Praktikum in der Berliner Niederlassung von Joyson Safety Systems, einem großen Zulieferbetrieb der Fahrzeugbranche, der im Bereich Mobilitätssicherheit tätig ist. Dort habe ich auch mehrere Jahre als Werkstudentin gearbeitet.
Erzählen Sie mehr von der Fahrzeugsicherheit!
Themen der Fahrzeugsicherheit habe ich schon für die Bachelor- und für die Masterarbeit gewählt. Es ging um unterschiedliche Teilgebiete wie Prüfaufbauten und Sensoren. Fahrzeugsicherheit ist glücklicherweise auch ein Lehr- und Forschungsgebiet von Prof. Dr. Friedemann. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ihm untersuche ich noch bis Februar 2027 einen besonderen Aspekt, nämlich die Fahrzeugsicherheit von Frauen. Sie rückt erst allmählich in den Fokus. Es gibt trotz einiger Studien noch Forschungslücken, weshalb der Deutsche Verkehrssicherheitsrat das Projekt finanziell fördert. Hier etwas beitragen zu können, ist für mich total motivierend.
Worum geht es da genau?
Für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat untersuche ich speziell die Interaktion von Rückhaltesystemen mit der weiblichen Brust bei Crash-Tests. Diese Crash-Tests finden natürlich virtuell statt, alles andere wäre zu teuer und zu aufwändig. Ich simuliere den Crash stattdessen auf dem Rechner. Mein virtueller, weiblicher Dummy sitzt im Innenraum eines Fahrzeugs hinter dem Lenkrad und ich fahre ihn gegen eine virtuelle Wand. Der Aufprall löst das Rückhaltesystem aus, also den Airbag und den Sicherheitsgurt. Die dabei entstandenen Verletzungswahrscheinlichkeiten werden von mir genau erfasst und dann ausgewertet. Dafür nutze ich anthropometrische Daten der sogenannten ANSUR II-Studie, die Körpermerkmale von beinahe 2.000 Frauen enthält. Diese Daten stehen öffentlich zur Verfügung und werden auch von der Automobilindustrie verwendet.
Wird das auch das Thema Ihrer Promotion sein?
Ich beziehe die Erkenntnisse natürlich ein, werde das Thema aber wohl ausweiten. Es gibt derzeit unterschiedliche Studien darüber, ob Frauen bei bisherigen Untersuchungen rund um Fahrzeugsicherheit angemessen berücksichtigt wurden oder nicht. Fest steht, dass manche Verletzungsmuster bei Frauen häufiger vorkommen als bei Männern. Warum, ist bislang noch nicht überall gut erforscht. Auf jeden Fall kann ich und will ich da neue Erkenntnisse beitragen. Eine Erstbetreuerin habe ich mit Prof. Dr. Stefanie Marker an der TU Berlin schon gefunden. Zweitbetreuer ist Prof. Dr. Friedemann.
In welche Richtung gehen Ihre Zukunftspläne?
Ich weiß es noch nicht genau, mache mir aber trotz der kriselnden Fahrzeugbranche keine Sorgen. Sicherheit wird immer ein relevantes Thema bleiben, unabhängig vom Antrieb der Autos, und auch dann, wenn Fahrzeuge irgendwann autonom fahren sollten. Übrigens ist Verkehrssicherheit auch ein Thema im Öffentlichen Personenverkehr, also in Bussen und Bahnen, die ich selbst oft nutze. Auch dieser Bereich ist spannend. Ob ich in die Praxis einsteige oder mich der Forschung widme, werde ich sehen.
Mit wem würden Sie gerne einen Kaffee oder Tee trinken?
Mit Frau Prof. Dr. Astrid Linder. Sie ist eine schwedische Professorin im Bereich Fahrzeugsicherheit und durch die Entwicklung eines durchschnittlichen weiblichen Crashtestdummies bekannt geworden.




Weiterführende Links
Die Fragen stellte Gisela Hüttinger, Transfer- und Projektkommunikation
Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch
Berlin, 4. November 2026