Zusammen ist man weniger allein

In der Schule wurde der Stundenplan ausgeteilt, an Klassenarbeiten nahmen alle teil und die Mitschüler_innen kannte man seit vielen Jahren. Und nun ist alles anders. Für frischgebackene Studierende bringen die ersten Tage an einer Hochschule viele Herausforderungen mit sich.

Welche Kurse muss ich belegen, wo finde ich die Lehrmaterialien, wie kann ich mich für Prüfungen anmelden? „Vieles läuft an der Hochschule anders als an den Schulen und für die Studienorganisation ist man nun größtenteils selbst verantwortlich. Da ist es schon mal hilfreich, ältere Studierende zu kennen, die bereits länger studieren und wissen, was geht, was nicht geht und vor allem wie etwas geht“, meint Nadja Dietrich. Nadja Dietrich ist Lehrbeauftragte an der HTW Berlin und leitet das AWE-Fach „Service Learning – Erstsemesterbuddy-Programm“ im Fachbereich 3, in dem ältere Studierende Studienanfänger des Fachbereichs durch das erste Semester begleiten.

„Mit dem Buddy-Programm möchten wir vor allem zwei Dinge erreichen“, erklärt Nadja Dietrich: „Zum einen geht es darum, die Studienanfänger_innen mit Informationen zu versorgen, wie sie ihr Studium organisieren können.“ Dazu gibt es z.B. eine virtuelle Campus-Rallye zu den an der Hochschule genutzten Portalen, wie der Lehrplattform Moodle oder dem Studienorganisationssystem LSF, und eine Infoveranstaltung zur Prüfungsanmeldung. „Zum anderen sollen sich die Studierenden kennenlernen und zu einer Gruppe zusammenwachsen“, sagt die Lehrbeauftragte. Dazu sieht das Konzept des Programms z. B. eine gemeinsame Abendveranstaltung wie eine Party oder einen Bar-Abend vor, die von den „Buddies“ organisiert wird. 

Eine der Buddies ist Hanna Tobies. Sie studiert im 4. Semester BWL und ist Ansprechpartnerin für 40 neue Studierende in ihrem Studiengang. Zusammen mit ihrer Kommilitonin Linh hat sie die Neuen direkt nach der Immatrikulationsfeier in Empfang genommen. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Studierenden schnell miteinander in Kontakt kommen. Über eine Facebook- und eine WhatsApp-Gruppe sind wir vernetzt; kommen Fragen oder Probleme auf, können wir den Neuen so sofort mit unserer Erfahrung helfen“, erzählt die Studentin. Ein paar Wochen später veranstalten Hanna und Linh einen Brunch für die Studienanfänger. „Es ist schön, sich hier mit den Älteren austauschen zu können“, meinen die neuen BWL-Studentinnen Kara und Svenja, die sich mittlerweile schon ganz gut eingelebt haben. Auch Julien gefällt die Idee des „Buddy-Programms“. So etwas kannte er noch nicht von der Hochschule, an der er vorher Jura studiert hat.

Auf die Durchführung der einzelnen Veranstaltungen bereiten sich die Buddies in begleitenden Treffen mit Nadja Dietrich vor. „Vom Buddy-Programm sollen ja nicht nur die Studienanfänger profitieren, sondern auch die Buddies selbst. Die Durchführung der Treffen und die Betreuung der Neuen schult die Studierenden in ihrer Organisationskompetenz und darin, wie sie Probleme lösen, Gruppen anleiten und verantwortungsvoll kommunizieren“, erzählt Nadja Dietrich. Außerdem verstärkt das Programm den Austausch unter den Studierenden auch über Semestergrenzen hinweg und fördert damit die Verbundenheit mit der Hochschule. Insgesamt profitieren so vom Buddy-Programm sowohl die neuen als auch die alten Studierenden und die Hochschule selbst: eine Win-Win-Win-Situation.

Neben dem Fachbereich 3 bietet auch der Fachbereich 4 an der HTW Berlin ein Buddy-Programm für alle Studiengänge an.