Christian Camehl
Christian Camehl
An der HTW Berlin gibt es rund 800 Lehrbeauftragte. Christian Camehl ist einer von ihnen und vermittelt derzeit praxisnahe Grundlagen für Studierende im Studiengang Modedesign. Er studierte zunächst Kunstwissenschaften und Medien in Braunschweig. In dieser Zeit entstand ein erstes Buchprojekt, u. a. mit der Künstlerin Alex Heide, das modische Subkulturen der niedersächsischen Stadt inszenierte. Über seine Arbeit am Kunstmuseum Wolfsburg gelangte er anschließend in den Master-Studiengang Integriertes Design an der HfK Bremen. Heute arbeitet er als Freiberufler in der Kreativwirtschaft und lehrt gleichzeitig an der HTW Berlin und an seiner Alma Mater in Bremen.
Wie bist du mit deiner norddeutsch gefärbten Biografie zu deinem Lehrauftrag an der HTW Berlin gekommen?
Wie so oft im Leben kannte ich jemanden, der jemanden kennt. Eine Professorin in Bremen, wo ich meine ersten Erfahrungen in der Hochschullehre gemacht habe, gab mir damals den Hinweis, dass die HTW Berlin einen Lehrauftrag im Studiengang Modedesign neu vergibt. Da ich daran interessiert war noch weitere Lehrerfahrung zu sammeln, bekundete ich mein Interesse und wurde prompt engagiert. Das Ankommen hier an der HTW Berlin war wirklich unkompliziert. Es gab ein professionelles On-Boarding: sowohl die hauptamtlich Lehrenden als auch die Verwaltung standen mir als HTW-Neuling helfend zur Seite.
Wieso arbeitest du gerne in der Lehre?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. In meiner Studienzeit sind mir immer wieder Lehrende begegnet, die mich wirklich weitergebracht haben, die ein offenes Ohr hatten. Von ihnen bekam ich Feedback, dass mich in meiner künstlerischen und gestalterischen Arbeit sehr geprägt hat. Das wollte ich in einer gewissen Form zurückgeben. Diese Personen waren für mich Role Models für den ganzheitlichen Ansatz, den ich in meiner Lehre anstrebe. Für mich lebt die Lehre vom Dialog auf Augenhöhe und dem gegenseitigen Lernen. Der Austausch ist für mich bereichernd, ich lerne ja durchaus durch die Fragen und Blickwinkel der Studierenden selbst wieder etwas Neues.
Welche Studienjahrgänge unterrichtest du und vor allem auch worin?
Ich unterrichte aktuell an der HTW Berlin Studierende im ersten Semester in Gestaltungsgrundlagen. Das ist insofern total spannend, weil ich ganz schnell einiges an Entwicklung bei den Studierenden miterleben darf. Am Anfang muss man manche zunächst ermutigen, sich etwas zu trauen, sich zu öffnen. Sobald dann der sprichwörtliche Groschen gefallen ist, passiert auf einmal unglaublich viel an kreativer Entwicklung.
In Bremen unterrichte ich aber auch viel höhere Semester. Die späteren Semester sind natürlich dann schon an ganz anderen Stellen in ihrer Entwicklung. Letztendlich passe ich meine Lehrkonzepte jedes Semester an die Lern-Gruppen, aktuelle Entwicklungen und anhand meiner eigenen Rechercheergebnisse an.
Du kennst durch deine beiden Lehraufträge auch zwei verschiedene akademische Welten: die Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Kunsthochschule. Wie unterscheiden sie sich?
Natürlich gibt es da Unterschiede. Die Herangehensweise an einer Kunsthochschule ist viel ergebnis- und prozessoffener. Die Studierenden bearbeiten eher Rahmenthemen und haben Andockpunkte in ganz unterschiedlichen kreativen Disziplinen. Der Studiengang Modedesign an der HTW Berlin ist da natürlich viel spezifischer. Es geht hier auch ganz klar um die Fachexpertise. Beide haben ihre Berechtigung, verfolgen aber ein anderes Ausbildungsziel. Ich bringe meine Erfahrungen und die Vorteile aus beiden Welten in meine Lehre ein.
Was ebenfalls einen Unterschied ausmacht, ist der Standort. Berlin bietet einen ganz anderen kreativen Nährboden als Bremen. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen: etwa der Größe der Städte und dem kulturellen Angebot. So treffe ich an den beiden Orten auf ganz unterschiedliche Perspektiven, was wiederum meinen Horizont erweitert.
Wie profitierst du von der Lehre und welche Auswirkung hat sie auf deine andere Arbeit?
Neben der Lehre an beiden Hochschulen bin ich freiberuflich tätig. Ich entwickle und gestalte Kommunikationskonzepte und Produkte für Institutionen im Kulturbetrieb, beteilige mich an Ausstellungen und arbeite mit performativ-arbeitenden Künstler*innen an Schnittstellen von Mode, Körper und Inszenierung. Diese künstlerische Arbeit ist stark recherchebasiert. Genau darin liegt auch eine Überschneidung mit den Studierenden, denn auch das Studium baut stark auf Nachforschungen und Analysen auf. So bildet diese Zusammenarbeit mit den Studierenden auch einen Resonanzboden für meine freiberufliche Tätigkeit. Durch die Studierenden entdecke ich ebenso ganz neue Themen und es entstehen für mich neuartige Verbindungen.
Wäre denn auch eine HAW-Professur etwas für dich?
Selbstverständlich sehe ich das auch als eine Option. Wenngleich ich bisher noch keine Bewerbung auf eine Professur eingereicht habe: Ich durfte bereits als Vertreter in Berufungskommissionen mitwirken, kenne also den Ablauf des Verfahrens und die Anforderungen. Bisher hat sich für mich noch nicht das Momentum für eine Bewerbung aufgetan. Die Arbeit mit Studierenden macht mir einfach ungemein Spaß und somit kann ich mir vorstellen später ebenfalls hauptamtlich in der Lehre zu arbeiten.


Die Fragen stellten Matthias Sanner, Team Kommunikation & Patrick Knuchel, Fachbereich 5
Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch
Berlin, 15. Januar 2026