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Was können Kinder für die Erde tun?

Möchte ich in die Gruppe der Füchse, lieber zu den Bienen oder vielleicht doch zu den Meisen? Keine leichte Entscheidung für die Mädchen und Jungen der Klasse 4d der Grundschule Friedrichshagen, die erwartungsvoll im Alice-Kindermuseum des Familien- und Erholungszentrums (FEZ-Berlin) in der Wuhlheide sitzen. Doch egal, auf welche Gruppe ihre Wahl fällt: Klimaheld*innen sind drei Stunden später alle. Und darauf sind sie nicht nur stolz, sondern auch schlauer, was sie selbst für das Klima tun können. Dank des Workshops, den Studierende des Master-Studiengangs Museumsmanagement und -kommunikation (MMK) gestaltet haben. „Der coolste Workshop der Welt“, fand eine Schülerin. Es war nicht der einzige HTW-Beitrag zur Ausstellung „Green Planet Berlin“, die noch bis Dezember 2026 im Alice-Kindermuseum zu sehen ist. In Praxisprojekten steuerten sowohl MMK-Studierende als auch angehende Kommunikationsdesigner*innen viele Ideen, Objekten, Fotos und Videos sowie Plakate bei; und sie begleiteten das Making-of der Ausstellung mit Inhalten für eine Social-Media-Kampagne, die Lust auf den Ausstellungsbesuch machte.

Workshop mit der Klasse 4d aus Friedrichshagen

Es ist früh am Morgen im FEZ-Berlin: Die Studierenden bereiten alles für die Ankunft der Kinder mitsamt Lehrerin und Erzieherin vor. Charlotte Terzer, Jeanne Möschler und Julia Boensch-Bär ordnen Utensilien für die drei Stationen des Workshops: Beim Basteln von Dioramen werden Blätter, Moose, Stifte und Papier gebraucht, die Rallye-Hefte sind für die Erkundung der Ausstellung gedacht, und für die Erforschung des Mikroklimas im Freigelände legen sie Holzstäbchen sowie eine Infrarot-Pistole bereit. Wiebke Dane, Heledd Ruddigkeit und Isabel Wolf haben die speziell für den Workshop entwickelten Evaluationsbögen ausgedruckt, Daniel Puster hängt sich die Digitalkamera um. Er wird den Vormittag fotografisch begleiten.

"Ihr werdet Euch nicht langweilen"

Die aufgeregten Kinder bekommen erst einmal ein Namensschild, ehe Benedicta Wissmann freundlich begrüßt und verspricht: „Wir haben Spannendes für Euch vorbereitet und Ihr werdet Euch nicht langweilen“. Mit ihrer Beschreibung des Studiengangs können die Kinder augenscheinlich etwas anfangen, viele nicken: „Wir sind von einer Universität und studieren Museumsmanagement und -kommunikation, das heißt, wir beschäftigen uns damit, was eine gute Ausstellung ist und was es braucht, damit möglichst viele Menschen ins Museum kommen“. 

Studierende kreieren Ideen und viel Content

Genau das taten die acht Studierenden sowie Kommiliton*innen früherer Semester in mehreren Praxisprojekten für die Ausstellung „Green Planet Berlin“. Die ersten Ideen dafür entstanden schon 2024, als Schulklassen in Workshops zu Klimawandel und Umweltschutz filmisch und mit Interviews begleitet wurden. Im Wintersemester 2024/2025 rückten konkrete Ausstellungsinhalte in den Mittelpunkt. Damals gesellten sich auch Kommiliton*innen aus dem Studiengang Kommunikationsdesign hinzu. Ende Januar 2025 wurden sämtliche Konzepte, Texte, Fotos, Grafikdateien und Videos an das Museumsteam sowie die beteiligten Agenturen übergeben. In deren Händen lag die professionelle Realisierung der Ausstellung, die im Oktober 2025 eröffnet wurde.

Social Media-Kampagne für die Umbauphase

In der Zwischenzeit übernahm die aktuelle Gruppe von MMK-Studierenden. Nunmehr im Fokus: Kommunikation und Vermittlung. Weil das Alice-Kindermuseum wegen des Ausstellungsumbaus geschlossen war, entwickelte das Projektteam eine Social Media-Kampagne. Es bereitete die großen Ausstellungsthemen – Energie, Ernährung, Bauen und Mobilität – kreativ auf. Die Studierenden drehten Videos und machten Fotos, beispielsweise vom Besuch bei der Architektengruppe raumlaborberlin, wo an den Exponaten gearbeitet wurde, oder von den ersten neuen Aufbauten im Museum. Das Team dachte sich Rätsel aus, trug spannende Fakten zusammen und entwickelte Challenges wie die Kühlschrankdetektive, bei der die Kinder den häuslichen Kühlschrank erkundeten. Dank intensiver Betreuung durch Lehrbeauftragte lernten die MMK-Studierenden ihrerseits dazu. Isabel Alvarez führte in Interviews und Videoproduktion ein, Thorsten Gabriel sensibilisierte für gute Texte und Sabine Haack für die (übrigens großartige) Präsentation des Praxisprojekts auf der HTW-Webseite. Nicht zu vergessen: die Plakatserie für den Eingangsbereich im FEZ-Berlin, wo sich immer viel Laufpublikum tummelt. Groß und Klein sollte nämlich schon neugierig werden auf „Green Planet Berlin“.

Workshops wecken Verständnis für Klimaschutz

Parallel konzipierten die Studierenden den späteren Workshop: drei Stationen, an denen die Kinder in kleinen Gruppen basteln, die Ausstellung mit ihrem persönlichen Rallyeheft erkunden und im Ökogarten der Wuhlheide an einem selbst gewählten Ort das dortige Mikroklima bestimmen. „Mit all diesen Aktivitäten wollen wir das Verständnis der Kinder für den Klimaschutz und Artenvielfalt wecken und sie zum Handeln im eigenen Alltag ermutigen“, erklärt Prof. Dr. Tobias Nettke, Leiter der Praxisprojekte. Das sei das wichtigste Ziel, meint der Professor für Bildung und Vermittlung in Museen, der wöchentlich das Vorgehen mit den Studierenden plant und bespricht. 

Auch die Evaluation gehört dazu

Zu guter Letzt: die obligatorische Evaluation. Oder, wie es Benedicta Wissmann den Füchsen, Bienen und Meisen griffiger erklärt: „Wir wollen auch wissen, wie Euch der Workshop gefällt. Deshalb schauen einige von uns genau zu, stellen Euch Fragen und Ihr antwortet mit Smileys“. Gefragt wird unter anderem danach, für wie wichtig die Kinder Klimaschutz halten und ob sie glauben, etwas für das Klima tun zu können. Und siehe da: Nach drei Stunden gehen bei der Frage nach der Bedeutung von Klimaschutz ein paar mehr Smileys in die Luft als zu Beginn des Workshops. Und nicht nur der kleine Max kann erklären, was Klimaschutz im Alltag bedeutet: „Nicht so viel Auto fahren, das Obst nicht in Plastik kaufen, sondern lose, und regionale Sachen nehmen“. Wenn das kein Lernerfolg ist? Ach ja: Sehr viel Spaß gemacht hat es den Viertklässlern übrigens auch. 

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