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Wenn BIM plötzlich mit DEXPI sprechen kann

Heute ändert sich die Rezeptur eines Produkts, morgen wird ein ganz Anderes hergestellt: Verfahrenstechnische Anlagen in der Industrie müssen oft neuen Bedingungen angepasst werden. „Für Planungsbüros ist das eine Herausforderung“, sagen Prof. Dr. Silvia de Lima Vasconcelos und Prof. Dr. Markus Krämer. Denn die zweidimensionalen Fließdiagramme, in denen sämtliche Komponenten einer Anlage dokumentiert sind, geben keine Auskunft über den Raum, in dem sich die Anlage befindet, und seine technische Ausstattung. Diese Informationen liegen zwar ebenfalls detailliert vor, aber in einer anderen „Sprache“. Auf einer innovativen Plattform wollen die beiden Wissenschaftler*innen und ihr Mitarbeiter Felix Komander die Daten aus beiden Welten verknüpfen und mit Hilfe von Mixed Reality anschaulich machen. Sie arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen und werden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des WIR! - Bündnis MR4B – Mixed Reality For Business gefördert. 

TU Berlin und X-Visual als Kooperationspartner

Für die Versuchsanlage der TU Berlin, mit der die HTW Berlin kooperiert, haben sie das schon mal in einem Video veranschaulicht. VR-Brille auf die Nase, Joystick in die Hand, schon ließe sich die Pumpe der Destillationskolonne, die Flüssigkeitsgemische thermisch trennt, aus dem Fließdiagramm in den Raum „beamen“. „Dann würde sofort erkennbar, dass eine neue Pumpe nicht breiter sein darf als die vorhandene, denn daneben verlaufen Rohre“, erklärt Prof. Dr. de Lima Vasconcelos. 

Werkzeug für die integrierte Planung

Dafür muss man wissen, dass Gebäudeplaner und Anlagenplaner in vielen Jahren zwei verschiedene technische Standards etabliert haben. In der Gebäudeplanung hat sich das Building Information Modelling (BIM) etabliert, mit dem Informationen digital verarbeitet werden. Die Prozessindustrie entwickelt ihre Fließdiagramme für Anlagen hingegen in Data Exchange in the Process Industry (DEXPI). „Eine integrierte Betrachtung ist bislang kaum praktikabel“, sagt Prof. Dr. Krämer. Zudem fehlten intuitive, kollaborative Werkzeuge, die eine gemeinsame Sicht auf die Planungsstände erlauben. Ein solches Werkzeug, vielmehr: eine ganze Werkzeugkette (Toolchain), wollen sie deshalb entwickeln. Denn in Zeiten knapper Flächen befinden sich verfahrenstechnische Anlagen immer öfter in Bestandsgebäuden. 

Das Ziel: ein abgestimmtes Anlagenmodell

Von Bedeutung wäre die Innovation vor allem für die Vorplanung, in der wichtige Weichen gestellt werden. Die Toolchain wird offene Standards haben, sodass beide Disziplinen eine Anlage kollaborativ weiterentwickeln und auch Varianten planen können, was gerade für kleine und mittelständische Unternehmen meist zu teuer ist. Und: Die Toolchain wird es Anlagen- und Gebäudeplanern erlauben, die gemeinsam gefundene Lösung wieder in die eigene Domäne zurückzuführen und dort zu finalisieren. Am Ende wird ein abgestimmtes Anlagenmodell vorliegen. 

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