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Katrin Dziergwa

Katrin Dziergwa

Viele kennen Excel aus dem Studium oder Büroalltag. Weniger bekannt ist: Es gibt echte Wettkämpfe und sogar Weltmeisterschaften darin – mit Publikum, Knock-out-Runden und Trikots. Katrin Dziergwa, Professorin für Finanzierung und Rechnungswesen an der HTW Berlin, hat daran teilgenommen. Im Interview erzählt sie, wie so ein Wettkampf abläuft und warum das auch für Studierende spannend ist.

Excel und eSport – das klingt erst einmal ungewöhnlich. Was steckt dahinter?

Seit einigen Jahren gibt es Wettbewerbe in Excel, die auch zum Teil live auf YouTube übertragen werden. Es gibt unterschiedliche Kategorien, in denen man antreten kann, u. a. auch eine Studierenden-Weltmeisterschaft. Teilnehmende bekommen Fallstudien und müssen dazu innerhalb eines festen Zeitlimits Fragen beantworten. Die Aufgaben sind ganz unterschiedlich. Es kann sein, dass Daten ausgewertet oder aber sehr kreative Probleme gelöst werden müssen, z. B. ein Kartenspiel simulieren oder Wege auf einer Karte berechnen. Um sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten, gibt es eine aktive Community, in der man sich austauscht und zusammen trainieren kann.

Also geht es eher um logisches Denken als trockenes Rechnen?

Genau, es geht darum, ein Problem zu verstehen und dann mit den vorhandenen oder auch mit selbstgeschriebenen Excel-Formeln möglichst schnell zu lösen. Allerdings sind Formeln allein nicht ausreichend — entscheidend ist, wie man Probleme modelliert.

Sie haben selbst teilgenommen – wie lief das ab?

Mein Kollege Professor Veit Wohlgemuth hat mir von den Excel-Meisterschaften erzählt, da er weiß, dass ich gerne und viel mit Excel arbeite. Letztes Jahr habe ich bei der DACH-Meisterschaft mitgemacht und mich bis ins Halbfinale, also in die Top 12, qualifiziert. Die Qualifikation läuft zunächst online. Die Halbfinale waren dann vor Ort in Leipzig. Dieses Jahr ist der Ablauf etwas anders und ich habe mich in der ersten Qualifikationsrunde direkt für das Finale im September qualifiziert. Die letzten Runden finden immer vor Ort statt und werden live übertragen — fast wie bei klassischen eSport-Turnieren.

Was fasziniert Sie persönlich an Excel?

Ich arbeite schon seit der Schulzeit mit Excel und finde es faszinierend, für welche Bandbreite von Aufgaben man es einsetzen kann. Als ich mal mehrere Stunden auf einem Flughafen warten musste, habe ich ein Spiel in Excel programmiert. Ich sage meinen Studierenden immer: „If you have a hammer, everything looks like a nail.” Excel ist dabei aber ein sehr vielfältig einsetzbarer Hammer. Excel bietet sowohl für Anfänger*innen als auch für Profis viele Einsatzmöglichkeiten — von der einfachen Tabelle über komplexe Datenanalysen bis hin zum Programmieren und Automatisieren von Prozessen.

Hat das auch einen Bezug zur Lehre?

Ja, na klar. Im Februar biete ich unseren Studierenden regelmäßig einen freiwilligen Excel-Kurs an. Dieses Jahr war Jean Wolleh dabei, Sieger der DACH-Meisterschaft und Drittplatzierter bei den Weltmeisterschaften. Er zeigte unter anderem PowerQuery, mit dem man durch Automatisierung Aufgaben extrem schnell lösen kann, und gab allgemeine Tipps. Das kam sehr gut an, da man damit im Studium und später im Beruf deutlich Zeit sparen kann. Außerdem ist Excel in meinen Fächern wie z. B. Investitionsmanagement ein Standardprogramm, das im Unterricht und in den Klausuren genutzt wird.

Warum sollten Studierende sich mit Excel beschäftigen?

Zum einen macht es einfach Spaß. Zum anderen schult es die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Man muss die Aufgabe erfassen und für sich gedanklich in eine Form bringen, die mit Excel lösbar ist. Damit trainiert man nicht nur den Umgang mit Excel, sondern ganz allgemeine analytische Kompetenzen. Wenn man Excel regelmäßig nutzt, hat man schnell Erfolgserlebnisse. Auch die Teilnahme an Excel-Meisterschaften bietet einen großen Lerngewinn, weil man dort Funktionen und Formeln kennenlernt, die im Alltag seltener zum Einsatz kommen.

Mehr Infos

Noch kann man sich für die Saison 2026 für die MEWC DACH anmelden. Die nächste Qualifikationsrunde ist im Juni.

Katrin Dziergwa im Flur
Katrin Dziergwa schaut auf einem Monitor, auf dem Excel geöffnet ist
Detailaufnahme: Katrin Dziergwa schaut auf einem Monitor, auf dem Excel geöffnet ist

Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Berlin, 22. April 2026