Strategische Partnerschaft für Biodiversität
Die HTW Berlin geht neue Wege in der Klimaanpassung. Im Rahmen des Projekts „Grün-blauer Campus“ soll der industriell geprägte Campus Wilhelminenhof klimaresilient umgebaut werden. Dabei setzt die Hochschule auf eine ungewöhnliche, aber hochwirksame Lösung: Eine strategische Kooperation mit dem Zoo und Tierpark Berlin bringt eine Erdmännchen-Kolonie an die Spree, die künftig als natürliche Drainage-System-Bauer fungieren wird. Doch das ist erst der Anfang einer standortübergreifenden Strategie.
Biogene Vitalisierung statt Beton
Das Problem ist bekannt: Die zunehmende Bodenversiegelung und häufigere Starkregenereignisse fordern moderne Entwässerungskonzepte. Doch statt teurer Betonschächte setzt die HTW Berlin nun auf „biogene Campus-Vitalisierung“. Dr. Susann Ullrich, Expertin im Projekt Grün-blauer Campus, erklärt das Prinzip: „Die Grabtätigkeit der Erdmännchen fungiert als hocheffizientes Drainage-System. Durch die gezielte Auflockerung tieferer Bodenschichten wird die Regenwasserversickerung massiv verbessert — eine nachhaltige Alternative zu kostenintensiven Baumaßnahmen, die wir im Rahmen unserer Entsiegelungsstrategie am Wilhelminenhof dringend benötigen.“
Wirtschaftlichkeit und Pionierarbeit
Für die Hochschulleitung ist das Projekt ein Meilenstein in der Verbindung von ökologischer Verantwortung und ökonomischer Weitsicht.
HTW-Präsidentin Prof. Dr. Annabella Rauscher-Scheibe sieht in der Kooperation ein wichtiges Signal:
Angesichts der aktuellen Haushaltslage ist diese Partnerschaft ein Musterbeispiel für Effizienz. Durch den Wegfall maschineller Großgeräte und externer Dienstleister spart die HTW Berlin eine hohe Geldsumme ein. Wir verbinden Pionierarbeit in der Klimaanpassung mit wirtschaftlicher Vernunft.
Ausblick 2027: Ökologische Rasenpflege am Campus Treskowallee
Nach dem Pilotstart am Wilhelminenhof ist die Erweiterung des Projekts für 2027 bereits fest avisiert. Am Campus Treskowallee soll eine „tiergestützte Vegetationsmanagement-Initiative“ etabliert werden. Schafe und Ziegen des Tierpark Berlin, die im dortigen Streichelzoo wohnhaft sind, werden künftig als natürliche Rasenmäher eingesetzt und übernehmen die ökologische Pflege der Grünflächen. Die logistische Überführung der Herde ist als koordinierte Aktion mit der Deutschen Bahn über die Bahnbrücke Treskowallee geplant.
Auch Dr. Andreas Knieriem, Direktor des Zoo und Tierpark Berlin, betont den Wert der Allianz:
Dieses Projekt bietet unseren Tieren die Chance, ihre natürlichen Fähigkeiten in der Pflege der Grünflächen einzubringen. Das Kooperationsmodell zeigt, wie Berliner Institutionen gemeinsam neue Wege im Tierwohl und im urbanen Naturschutz gehen können.
Wissenschaftliche Begleitung und Transfer
Das gesamte Projekt wird eng durch die Fachbereiche der HTW Berlin begleitet. Für Studierende des Bauingenieurwesens oder der Informatik bieten sich völlig neue Forschungsfelder. Aktuell werden bereits Themen für Bachelor- und Masterarbeiten vergeben, die sich unter anderem mit der echtzeit-akustischen Überwachung der Grabgeräusche zur Bodenfeuchtigkeitsmessung befassen.
Der offizielle Startschuss für die Arbeiten am Wilhelminenhof erfolgt am 06.06.2026 im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften. Besucher*innen können dann die technischen Pläne für das Gehege sowie das unterirdische Leitsystem am Spreeufer einsehen.
