Zum Hauptinhalt / Skip to main content

Druckfrische Klausuren, Post und leckeres Essen

Sie transportieren die Hochschulpost zwischen beiden Standorten, sorgen für den Druck aller Klausuren, servieren leckere Tagesgerichte in der WaschBar und grillen Würstchen, wenn sich die HTW Berlin an der Langen Nacht der Wissenschaften beteiligt: die Männer und Frauen der Stephanus-Werkstätten auf dem Campus Wilhelminenhof. Die Kooperation zwischen der „Betriebsstätte Wilhelminenhof“, wie sie offiziell heißt, und der Hochschule ist so alt wie der Campus selbst. Gerade informierte sich der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, aus erster Hand über die Aktivitäten. Grund genug für ein Gespräch mit Johannes Herbert. Er steht seit Januar 2026 an der Spitze der Betriebsstätte. Zuvor hat er viele Jahre verschiedene Arbeitsgruppen der Werkstätten geleitet. Das Gespräch fand in der WaschBar statt, wo sonst? 

Wie begann die Zusammenarbeit?

Die Stephanus-Werkstätten waren schon auf dem Wilhelminenhof zuhause, als der Fachbereich Gestaltung und Kultur der HTW im Jahr 2006 die ersten Gebäude bezog. Da haben wir natürlich sofort überlegt, was wir machen können. So entstand die WaschBar, wo wir von Montag bis Freitag wechselnde Tagesgerichte anbieten, aber auch Klassiker der Bistro-Küche und selbst gebackenen Kuchen. Eröffnet wurde die WaschBar gemeinsam mit dem HTW-Campus, das war im Oktober 2009. Waschen kann man bei uns auch, daher der Name. Heute gibt es nur noch eine Maschine und einen Trockner, weil die Nachfrage nicht so groß ist. Aber das kulinarische Angebot ist sehr beliebt. Etwa 100 Tagesgerichte gehen täglich über den Tresen. Sie werden von vier gelernten Köchen und der Arbeitsgruppe Küche/Catering vor Ort frisch zubereitet.

Seit der Eröffnung der WaschBar waren wir als Stephanus-Werkstätten eigentlich immer in Bewegung, um auf Bedürfnisse und Interessen der Hochschule einzugehen und daraus passende Arbeitsfelder für uns zu entwickeln. Wir haben an Ausschreibungen teilgenommen und konnten Rahmenverträge abschließen. Für uns ist das sehr wichtig, denn immerhin sind in der Betriebsstätte Wilhelminenhof 30 Mitarbeiter*innen tätig sowie 145 Beschäftigte mit geistigen, körperlichen oder psychischen Einschränkungen. Die wollen täglich etwas zu tun haben – auch wenn wir natürlich weitere externe Kunden und Auftraggeber haben. 

Was kam nach der WaschBar?

Ein Jahr später, im Jahr 2010, haben wir die DruckBar eröffnet. Sie befand sich zunächst etwas versteckt in der 2. Etage. Später konnten wir ins Erdgeschoss umziehen, dadurch wurde die DruckBar besser sichtbar und leichter zugänglich. Inzwischen produzieren wir nicht nur Plakate, binden Abschlussarbeiten, bedrucken T-Shirts und dergleichen, sondern haben die Verantwortung für sämtliche Drucksachen übernommen, die früher beim Servicepool der HTW in Auftrag gegeben wurden. Pro Monat kommen da etwa 20.000 Schwarz-Weiß-Seiten und 10.000 Farbkopien zusammen. Dafür haben wir ein digitales Drucksystem angeschafft. Auf dem Wilhelminenhof vervielfältigen wir beispielsweise alle Klausuren, die an der HTW Berlin geschrieben werden. Viele Studierende lassen ihre Präsentationen bei uns drucken.  Am Ende eines Semesters kann es in der Druckbar ziemlich hektisch zugehen.  

Kümmern Sie sich auch um die Außenanlagen?

Ja, eine kleine Gruppe von Beschäftigten sorgt für Sauberkeit auf dem Campus. Wir nennen sie intern HTW-Dienstleistungsgruppe. Das Team leert täglich die Mülleimer, sammelt Zigarettenkippen und beseitigt Gras zwischen den Pflastersteinen. Grauflächenpflege heißt das. Bei den Grünflächen arbeiten wir mit den Lichtenberger Werkstätten zusammen, die ebenfalls behinderte Menschen beschäftigen. Diese Arbeitsteilung hat sich bei einer Ausschreibung so ergeben.

Für die neueste Idee wurden Sie sogar ausgezeichnet!

Stimmt, für das Konzept der umweltfreundlichen Postbeförderung zwischen den beiden HTW-Standorten bekamen wir die Wichernplakette des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg - schlesische Oberlausitz. Wir bringen die Postkisten täglich mit einem dreirädrigen, elektrisch unterstützten Lastenrad von der Treskowallee zum Wilhelminenhof und wieder zurück. Ein zweiter Mann – Frauen gibt es derzeit nicht in dem Team – begleitet seinen Kollegen auf dem E-Bike. Die beiden wechseln sich auf den Rädern ab und unterstützen sich gegenseitig. Lieferungen der Hochschulbibliothek beispielsweise können ganz schön schwer sein! Und denken Sie an die Stapel von Klausuren. Die Kisten stellen wir direkt in die Posträume der Fachbereiche.  Auch um diesen Rahmenvertrag mit der HTW haben wir uns beworben und die Ausschreibung gewonnen.

Und sonst so?

Wir sind bei vielen Veranstaltungen der HTW dabei, das macht allen immer viel Spaß. Bei der Langen Nacht der Wissenschaften grillen wir Würstchen und mixen Drinks, auch beim Sommerfest der Hochschule und bei der Erstsemester Begrüßung beteiligen wir uns. Außerdem haben wir mehrere Abschlussarbeiten begleitet. Ein Student hat beispielsweise eine Kommunikationsstrategie für die Waschbar konzipiert, ein anderer ein Lastenfahrrad entwickelt. 

Werfen Sie bitte einen Blick in die Zukunft!

Derzeit ist eine neue Idee in der Pipeline, aber darüber will ich noch nichts verraten. Aber ich kann versprechen, dass uns die Ideen für Kooperationen mit der HTW nicht ausgehen.

Ich persönlich arbeite gerne bei den Stephanus-Werkstätten. Auch wir müssen auf Wirtschaftlichkeit achten. Aber trotzdem dürfen und können wir zuerst an den Menschen und seine Bedürfnisse denken. Das ist sehr befriedigend. Mit der Arbeit bei den Werkstätten ein Teil der ganzen Stiftung zu sein, macht mich stolz. 

Weiterführende Links