„Dem Wohle der HTW Berlin verpflichtet“
Das Kuratorium ist eines der weniger bekannten Gremien der HTW Berlin. Dabei nimmt es einen wichtigen Platz in der Hochschulstruktur ein. Es dient insbesondere der Verbindung von Hochschule und Gesellschaft: Das Kuratorium nimmt Stellung zu grundsätzlichen Fragen wie dem Haushaltsplan sowie dem Struktur- und Entwicklungsplan und berät strategisch. Zudem spielt es eine wichtige Rolle bei den anstehenden Wahlen der Hochschulleitung. Im Gespräch erläutert die Vorsitzende Dr. Dagmar Simon, wie das Gremium zum Wohle der Hochschule wirkt.
Wie bringen die externen Mitglieder ihre Expertise für die HTW Berlin ein?
Die externen Mitglieder kommen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen: Aus der Wirtschaft, Verbänden, Gewerkschaften und der außeruniversitären Forschung. Ich habe lange in der außeruniversitären Forschung gearbeitet und bin jetzt Geschäftsführerin eines kleinen Beratungsunternehmens für Forschungseinrichtungen und Hochschulen, kenne also beide Seiten ganz gut. Uns im Kuratorium vereint das Interesse an Hochschulpolitik und die Kompetenz, Hochschulen in strategischen Fragen zu beraten. Die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen der Kuratoriumsmitglieder sind dafür extrem hilfreich. Es kommt auch immer wieder vor, dass im Kuratorium ein Mitglied früher mal an der HTW Berlin studiert hat und sich damit besonders mit der Hochschule verbunden fühlt.
Bei den Mitgliedern des Kuratoriums sind Überschneidungen mit dem Akademischen Senat explizit ausgeschlossen. Wie funktioniert dann das Zusammenspiel mit dem Akademischen Senat?
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut insbesondere über den Vorsitzenden des Akademischen Senats (AS), der an unseren Kuratoriumssitzungen als Gast regelmäßig teilnimmt und somit auch die Sichtweisen und Ideen des AS einbringt. Mit ihm wie mit seiner Vorgängerin kann man sich jenseits der Sitzungen „auf dem kleinen Dienstweg“ schnell und unbürokratisch verständigen, was ein enormer Vorteil ist. Darüber hinaus besuche ich in größeren Abständen die AS-Sitzungen und berichte über unsere Diskussionen und Beschlüsse. Sehr wichtig ist eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Kuratorium und AS für die anstehenden Wahlen der Hochschulleitung; dem sehe ich dahingehend sehr entspannt entgegen.
Die externen Mitglieder des Kuratoriums werden für vier Jahre gewählt. Sie selbst engagieren sich bereits seit fast acht Jahren für die HTW Berlin. Was ist Ihre Motivation für dieses doch sehr zeitintensive Ehrenamt?
Ich habe am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung lange Zeit die Forschungsgruppe „Wissenschaftspolitik“ geleitet und für mich ist der „Praxistest“ der Erkenntnisse der Wissenschafts- und Hochschulforschung ein spannendes Unterfangen. Ich denke auch, dass wir die HTW Berlin doch in dem einen oder anderen Fall erfolgreich beraten können, und das motiviert natürlich.
Die Rolle des Akademischen Senats wird oft mit der eines Parlaments vergleichen. Das Kuratorium hat dagegen ähnliche Funktionen wie ein Aufsichtsrat. Wie nimmt das Gremium seine Aufsichtsfunktion wahr?
In der Tat berät und nimmt das Kuratorium Stellung etwa zum Wirtschaftsplan, Jahresabschluss, Struktur- und Entwicklungsplan oder auch zur Einrichtung oder auf Aufhebung von Studiengängen – also typische Aufsichtsratsfunktionen. Wir müssen dabei immer bedenken, dass Hochschulräte (Kuratorien nehmen in etwa die gleichen Funktionen wahr) in den 90er Jahren im Rahmen von „New Public Management“ eingerichtet wurden. Ihnen wurden wesentliche Aufgaben übertragen, die vorher bei den Ministerien lagen und die sich damit aus der Feinsteuerung heraushalten wollten. Diese Aufgaben haben immer Elemente einer strategischen Beratung, die aber darüber hinaus geht, also Fragen der Weiterentwicklung der Hochschulen tangieren. Beispielsweise haben wir intensiv die Einrichtung der Promotionszentrum, den Aufbau eines wissenschaftlichen Mittelbaus, die Drittmittelstrategie und vieles mehr diskutiert. Sie betreffen darüber hinaus grundsätzliche Fragen, so zum Beispiel welche Rolle die HAWs zukünftig im Hochschulsystem einnehmen werden.
Das Konstrukt, dass Kuratorien gesellschaftliche Belange verstärkt in die Hochschulen einbringen sollen, ist etwas denkwürdig, denn Hochschulen sind nun mal gesellschaftliche Institutionen. Aber in dem Sinne, dass andere gesellschaftliche Bereiche wie Wirtschaft, Politik und Kultur dort stärker vertreten sein sollten, geht es in Zeiten der „Third Mission“ schon in eine richtige Richtung.
In seiner letzten Sitzung am 27. Januar hat das Kuratorium Stellung bezogen zu den bisherigen Beschlüssen der Fachbereiche in Folge der Sparzwänge. Was ist Ihr Fazit aus der Sitzung?
Die Kürzungen und der Umgang damit sind in der Tat eine gewaltige Herausforderung für alle Hochschulen Berlin, nicht nur die Summe der Einsparungen, sondern auch der Zeitraum, in dem die Einsparungen umgesetzt werden müssen – darin sehe ich ein Hauptproblem, denn strategische Entscheidungen sind unter diesen Bedingungen schwer möglich. Wir haben den Staatssekretär eingeladen, um über die Aufgaben und den Zeitplan der eingesetzten Hochschulstrukturkommission zu diskutieren, denn es wäre fatal, wenn die jetzt dramatischen Einsparungen – etwa die Einstellung von Studiengängen – ein Jahr später von der Kommission wieder in Frage gestellt werden. Die Kommission wird aber auf einer mittleren Ebene agieren, d.h. sich nicht unbedingt um einzelne Studiengänge kümmern. Dennoch können Friktionen auftreten, und wir haben als Kuratorium unsere Gesprächsbereitschaft für die Kommission angeboten, um so gegebenenfalls den Prozess ein Stück weit begleiten zu können. Es war ein informatives Gespräch. Zu strategischen Fragen wollen wir einmal im Jahr Herrn Staatssekretär Marx ins Kuratorium einladen.
In diesem Jahr stehen Hochschulleitungswahlen an. Was ist die Rolle des Kuratoriums in diesem Prozess?
Das Kuratorium hat in diesem Prozess eine sehr wichtige Rolle. Die Findungskommission wird von mir geleitet und drei weitere Mitglieder des Kuratoriums sind dabei. Von der Findungskommission werden alle Prozessschritte von der Ausschreibung letztendlich bis zur Wahl im Akademischen Senat gesteuert.
In der Satzung der HTW Berlin steht: „Alle Mitglieder der HTW Berlin können sich in Angelegenheiten gemäß Abs. 4 direkt schriftlich an das Kuratorium wenden.“ Kriegen Sie oft Post von Mitarbeitenden oder Studierenden? Und wenn ja, zu welchen Themen?
Ja, die bekomme ich zu unterschiedlichsten Themen. Der absolute Hit war die geplante Einstellung der Studiengänge Konservierung und Restaurierung: Auch aus dem Ausland, von außeruniversitären Instituten, Museen und Sammlungen kamen Protestschreiben. Sehr viel Aufregung, nur leider keinerlei Angebote, wie man gegebenenfalls hier die HTW Berlin unterstützen kann. Ich habe dies zum Anlass für eine ausführliche Beratung im Kuratorium genommen und mich mit Kolleg*innen aus dem In- und Ausland in Verbindung gesetzt. Das Kuratorium hat die Entscheidung des Fachbereichs unterstützt – auch weil die Chance eines Neuanlaufs besteht.
