Angela Weißköppel
Angela Weißköppel
Gestern noch ein Workshop mit neuberufenen Professor*innen, heute ein Austausch mit Studiengangsleitungen, morgen das nächste Projektmeeting – seit rund 20 Jahren bewegt sich Angela Weißköppel im Feld der Lehrentwicklung. Schon während ihres Magisterstudiums in Ostslavistik, Politikwissenschaft und Kommunikationswissenschaft gab sie eigene Seminare. Seit 2012 ist sie an der HTW Berlin aktiv: zunächst in Projekten zur Verbesserung der Lehrqualität und später als Referentin des Vizepräsidiums für Lehre. Ergänzt wurde dieser Weg durch einen Master in Educational Leadership. Seit 2021 leitet sie das Lehrenden-Service-Center (LSC) und gestaltet gemeinsam mit ihrem Team die Weiterentwicklung von Studium und Lehre. Zum fünften Geburtstag des LSC im Januar 2026 zieht sie im Interview Bilanz.
Was hat dich damals motiviert, den Aufbau des LSC zu übernehmen?
Wie man an meiner Biografie erkennt, brenne ich für das Thema Lehren, Lernen und Lehrentwicklung –fachlich wie menschlich. Lehre ist die DNA einer Hochschule und Bildung hat einen hohen gesellschaftlichen Wert. Damit Lehre lebendig bleibt und sich weiterentwickeln kann, braucht es Orte, an denen Lehrende Impulse bekommen, Ideen weiterdenken und gemeinsam mit anderen an ihrer Lehre arbeiten können. Der Aufbau des LSC war für mich die Chance, diese Form der kollegialen Zusammenarbeit und zugleich Expertise in der Lehrentwicklung dauerhaft an der HTW zu etablieren.
Fünf Jahre LSC: Welches Gefühl steht sinnbildlich für den Weg?
Ganz klar: Gemeinschaft. Das steckt sogar in unserer Mission – wir wollen Lehren und Lernen gemeinschaftlich bewegen. Unser Team hat in ganz unterschiedlichen Konstellationen zusammengearbeitet. Wir sind zu dritt gestartet, zwischenzeitlich waren wir elf. Und trotzdem gab es immer ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, weil uns alle die Begeisterung für Lehren und Lernen verbindet. Gleichzeitig gab es auch viel gemeinschaftliche Arbeit mit Lehrenden und der gesamten Hochschule in Gesprächen, Workshops, Kooperationen und Projekten.
Welche Rolle hat das LSC heute an der HTW Berlin?
Ich sehe mehrere Facetten. Für Lehrende sind wir in erster Linie Sparringspartner*innen für Lehrentwicklung. Wir begleiten Lehrende in allen Phasen ihrer Karriere, entwickeln gemeinsam mit ihnen Ideen und Formate weiter und bringen unsere Expertise in der Medienproduktion ein, zum Beispiel für Lehrvideos. Gleichzeitig sind wir Netzwerker*innen: Wir verbinden Menschen und Projekte, schaffen Austausch und Synergien. Wir sind auch eine Art Seismograph, weil wir im engen Austausch wahrnehmen, welche Themen die Hochschule gerade bewegen. Und nicht zuletzt verstehen wir uns als Impulsgeber*innen für Veränderung, indem wir immer wieder in Bewegung bringen, was als gute Lehre etabliert ist.
Welche Themen treiben dich und das LSC besonders an?
Unsere Themen sind so vielfältig wie die Hochschule selbst. Aber natürlich sind manche besonders wichtig, herausfordernd oder aktuell. Ein Beispiel ist Künstliche Intelligenz. Hier lernen wir selbst jeden Tag dazu und wollen ab 2026 unsere Angebote ausbauen. Digitalisierung ist ebenfalls ein Dauerbrenner und die Anfragen für Medienproduktionen sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prüfungsdidaktik. Und perspektivisch möchten wir uns stärker in die Curriculumentwicklung einbringen sowie das Thema Studierendenpartizipation noch stärker verankern.
Woran merkst du, dass die Arbeit im LSC etwas bewirkt?
Zum einen an den Rückmeldungen von Lehrenden, etwa nach Workshops oder Beratungen. Häufig hören wir, dass unsere Impulse Anregungen bieten, die eigene Lehre aus einer neuen Perspektive zu betrachten und damit gemeinsame Weiterentwicklung ermöglichen. Oder daran, dass Lehrende, die sich aus unseren Veranstaltungen kennen, später gemeinsame Lehrinnovationsfonds-Anträge einreichen. Intern sichtbar ist zum Beispiel die Änderung der Rahmenstudien- und -prüfungsordnung, an der wir mitgewirkt haben. Und auch in der externen Kommunikation, beispielsweise durch die LEHRGUT Stories, wird deutlich, dass man sich an der HTW um gutes Lernen kümmert und die Arbeit der Lehrenden wertschätzt.
Welche Rolle spielt Diversität im LSC?
Die Vielfalt der Studierenden und Lehrenden prägt jede Lehrsituation und entsprechend wichtig ist Diversität für das LSC. Sie prägt aber ebenso unser Team und verbindet uns auf einer gemeinsamen Werteebene: Wir setzen uns gemeinsam für diversitätssensibles Lehren und eine diskriminierungsfreie Hochschule ein. Deshalb bilden wir uns in diesem Bereich weiter und möchten die Zusammenarbeit mit dem Referat für Gleichstellung und Antidiskriminierung künftig intensivieren. Hier sehen wir viele sinnvolle Schnittstellen.
Was ist dein Geburtstags-Wunsch für die Zukunft des LSC?
Unser Team war bisher stark projektfinanziert, was viele personelle Wechsel mit sich gebracht hat. Mein Wunsch wäre mehr Verstetigung, damit wir langfristiger und verlässlicher planen können. Außerdem hoffe ich, dass wir die Zusammenarbeit mit Lehrenden noch weiter ausbauen, das LSC ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Lernens bleibt und wir es auch in Zukunft schaffen, Hochschullehre in Bewegung zu bringen.


Weitere Infos
Die Fragen stellte Jessica Barszczewski
Fotos: HTW Berlin/Alexander Rentsch
Berlin, 05. Januar 2026