Was können Museen zum Frieden beitragen?
Konflikte, Kriege und gesellschaftliche Spannungen gibt es derzeit genügend. Wo verorten sich Museen dabei? In welcher Form können und wollen sie Orte der Auseinandersetzung, der Erinnerung, Bildung und Vermittlung oder der Begegnung sein? Das ist Thema der Tagung „Curating Peace“ am Montag, 13. April, zu der Prof. Dr. Oliver Rump und Studierende des Masterstudiengangs Museumsmanagement und -kommunikation einladen. Rund 70 Gäste haben sich zu der Konferenz angemeldet, darunter Wissenschaftler*innen, Museumspraktiker*innen und Kulturschaffende. Was auf dem Programm steht, verrät Prof. Dr. Rump im Interview.
War das Thema angesichts der vielen Konflikte gesetzt?
Nein. Die Tagung wird von den Masterstudierenden seit vielen Jahren zum Abschluss ihres Studiums organisiert. Und da überlegen wir jedes Jahr aufs Neue, was sich als Thema des Jahrgangs herauskristallisiert. Für 2026 gab es zwei, drei Optionen. Die Mehrheit hat schließlich das Thema Krieg bzw. Frieden gewählt. Frieden statt Krieg, weil wir mit dem Tagungstitel eine positive Botschaft senden wollen.
Ich persönlich halte es übrigens für sehr wichtig, dass sich Museen in ihrer Arbeit auch für Frieden einsetzen. Leider hat diese Aufgabe seinerzeit keine explizite Berücksichtigung in der offiziellen Definition von Museen durch den Internationalen Museumsrat ICOM gefunden. Frieden wurde unter Nachhaltigkeit subsummiert.
Wie kann ein Museum eine friedensstiftende Rolle übernehmen?
Es gibt viele Ansätze, wie Museen einen Beitrag zum Frieden bzw. zur Friedensstiftung leisten können: durch Verständigung, indem sie verschiedene Gruppen ins Haus holen oder indem sie Begegnungsräume schaffen. Museen können dafür sorgen, dass Menschen aus der Vergangenheit lernen. Sie können das Vergessen verhindern oder Themen wie gewaltfreie Kommunikation oder Friedenspädagogik aufgreifen. Das beste Beispiel dafür - und meines Erachtens ein wirklich gelungenes Vorbild - ist die deutsch-französische Verständigung nach 1945. Sie wurde nicht nur, aber auch von Museen getragen, und alle haben ihren Anteil daran, dass zwei Länder ihre „Erzfeindschaft“ überwunden haben. Man sieht also, dass einschlägige Aktivitäten von Erfolg gekrönt sein können.
Was steht bei der Tagung auf dem Programm?
Es gibt eine Keynote, zwei Podiumsdiskussionen und vier Workshops. Dabei werden einzelne der von mir genannten Ansätze aufgegriffen, beispielsweise Begegnungen von Menschen mit verschiedenen Lebensgeschichten oder gewaltfreie Kommunikation. Das siebenstündige Programm ist straff durchgetaktet. Inhaltlich wurde es von den Studierenden auf die Beine gestellt, denn sie zeigen bei dieser Veranstaltung, was sie gelernt haben. Ich selbst bin „nur“ der Moderator. Übrigens machen wir das alles ohne richtiges Budget, nur mit einem Zuschuss des Studiengangs. Das heißt: Die Speaker verzichten dankenswerterweise auf ihr verdientes Honorar, so z.B. die Keynote-Speakerin Dr. Miriam Salehi vom Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung an der FU Berlin.
Beziehen Sie bei der Tagung auch Position?
Früher waren Museen zu Neutralität verpflichtet, ganz unabhängig vom Thema, und bisweilen blitzt dieses Verständnis bei Debatten immer noch auf. Aber inzwischen ist unstrittig, dass Museen sehr wohl Akteure sind und dass sie Farbe bekennen müssen, natürlich immer im demokratischen Rahmen. Im konkreten Fall ist es das Bekenntnis zum Frieden.
Ein solches Bekenntnis kann vieles bedeuten, ich will es deshalb veranschaulichen. Zu unserer Tagung haben wir zwei Gäste aus quasi unterschiedlichen „Lagern“ eingeladen. Unter dem Stichwort „Aufklärung und Solidarität im Museum“ wird Prof. Dr. Kilian Heck sprechen. Er ist Kunsthistoriker und stellvertretender Vorsitzender des Ukraine Art Aid Center. Aus dem ursprünglich informellen Netzwerk ist inzwischen eine der wichtigsten internationalen Organisationen im Bereich der Rettung und Bewahrung des Kulturerbes der Ukraine geworden.
Zur anderen Podiumsdiskussion – sie widmet sich dem Museum als Begegnungsraum – kommt die Kunsthistorikerin und Autorin Dr. Iris Berndt. Sie leitete von 2014 bis 2017 das Käthe-Kollwitz-Museum und kooperierte aus Anlass des 150. Geburtstags der Künstlerin mit dem Kunstmuseum Kaliningrad. Diese Kontakte pflegt sie seitdem, obwohl nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs zum Boykott russischer Museen aufgerufen wurde. Sie hingegen will den Kontakt zu den Museen nicht abreißen lassen. Das ist eine Position, mit der man sich auseinandersetzen sollte und das wollen wir tun.