Podcast 07.07

Prof. Dr. Heike Joebges ist Spezialistin für Internationale Wirtschaftsbeziehungen. Im Fachbereich 3 lehrt sie in diesem Semester Makroökonomie und begleitet im Thesis-Writing-Seminar ihre internationalen Studierenden online bei der Umsetzung ihrer Masterarbeiten.

Podcast #HTWOnlineCampus

Kurzinterview

Der erste Monat im Online-Semester liegt hinter Ihnen. Wie sind Sie bisher mit dem Verlauf Ihrer Lehre zufrieden?
Grundsätzlich war ich eigentlich darauf vorbereitet, eine Menge Zeit in die Vorbereitung und Durchführung meiner Lehre zu investieren. Aber ich bin dann doch überrascht worden, wie lange alles dauert. Nicht nur die Produktion der Lehrmaterialien wie Vorlesungsaufzeichnungen und Lernfortschrittskontrollen, sondern auch deren Bereitstellung. Wenn ich mir dann die Zugriffszahlen von Seiten der Studierenden anschaue, fällt auf, dass nur circa die Hälfte auf die Inhalte zugreifen.

Haben Sie dafür eine Erklärung?
Wir haben innerhalb des Fachbereiches gerade eine erste Umfrage unter den Studierenden gemacht. Daraus geht hervor, dass sich viele mit der aktuellen Situation überfordert fühlen. Bisher konnten die Studierenden ihr Studium durch persönliche Kontakte zu Kommiliton_innen stellenweise gemeinsam organisieren. Nun ist wesentlich mehr Disziplin und Eigenmotivation gefragt. Auch kann ich mir vorstellen, dass Videos nicht angeschaut werden, da sie nun jederzeit verfügbar sind, also auch direkt vor der Prüfung. Ob 50 Stunden Videomaterial dann wirklich am Stück durchgearbeitet werden, halte ich für unrealistisch.

Sie begleiten Ihre Studierenden beim Schreiben der Masterarbeit per Online-Meeting?
Jede Person bekommt im Online-Meeting 15 Minuten Zeit, ihre These und ihr Vorgehen vorzustellen. Im Anschluss gibt eine weitere Person Feedback anhand einiger Vorgaben von meiner Seite, bevor alle Anwesenden darauf reagieren. Insgesamt stehen so für jede Thesis 45 Minuten zur Verfügung. Dieses Vorgehen funktioniert ganz gut
auch in der Distanzlehre.

Ihre Lehre ist sehr stark auf synchrone Formate ausgelegt. Gibt es dafür einen Grund?
Ich halte es für wichtig, in Kontakt zu den Studierenden zu bleiben. Einige sprechen auch über den Lagerkoller in den eigenen vier Wänden. Daher versuche ich, meine Vorlesungen regelmäßig zu organisieren, um so einen Rahmen für fachliche Gespräche und beständigen Austausch zu bieten. Perspektivisch möchte ich meine Lehre gern in Richtung Flipped Classroom gestalten, aber dafür muss ich noch Lösungen finden, wie ich die Studis dazu bringe, wirklich die Materialien vor der Vorlesung durchzuarbeiten.

Können Sie das bitte näher erklären?
Ich mache mir viel Mühe damit, meine Vorlesungen aufzuzeichnen und den Studierenden im Vorfeld der Lehreinheit zur Verfügung zu stellen. Aber in der Einheit stelle ich fest, dass vielleicht 50% sich wirklich vorbereitet und nur ca. 20% alles verstanden haben. So wird aus der Idee, fachliche Inhalte zu diskutieren, doch partiell wieder ein Frontalunterricht und ich bestrafe damit indirekt diejenigen, die vorbereitet sind. Da fehlen mir noch die Ideen, wie ich da mehr Verbindlichkeit erzeuge.

Haben Ihre Kolleg_innen Tipps, die helfen könnten?
Wir sind im Fachbereich tatsächlich recht gut vernetzt. Von der WhatsApp-Gruppe bis zu regelmäßigen Treffen per Online-Meeting. Gerade für dieses Problem hat bisher keine_r eine gute Lösung gefunden.