"Der Campus als Ort der Begegnung fehlt sehr."

Veronika Bertels und Lotte Unckell studieren an der HTW Berlin im Internationalen Studiengang Medieninformatik. Beide sind Mitglied im Fachschaftsrat 4 — dem Fachschaftsrat im Fachbereich Informatik, Kommunikation und Wirtschaft — und engagieren sich für das soziale Miteinander der Student_innen trotz Kontaktbeschränkungen.

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Kurzinterview

Inzwischen läuft das digitale Sommersemester seit neun Wochen. Wie kann ich mir den Alltag als Student_in vorstellen? Wie läuft bei Ihnen ein typischer Tag im Online Studium ab?
Lotte Unckell: Es gibt eigentlich keinen typischen Tagesablauf. Dadurch, dass alles von zu Hause läuft, verschiebt sich das immer wieder. In der Regel stehe ich ungefähr fünf Minuten vor der Vorlesung auf und setze mich an den Schreibtisch und da bleibe ich dann sitzen bis abends. Besonders schwierig finde ich es, mich an den Plan zu halten, den ich mir für jeden Tag mache, und dass ich mich immer am gleichen Ort befinde. Ich habe nur ein WG-Zimmer, in dem ich esse, meine Freizeit verbringe, lerne, arbeite und schlafe.

Veronika Bertels: Ich habe auch fast keine festen Kurszeiten, die mir als Orientierung für meinen Tagesablauf dienen könnten. Daher finde auch ich die Planung meiner Tage schwierig. Haushalt und Prokrastination kommen dazwischen. Generell ist es eine große Herausforderung, den ganzen Tag am Rechner zu sitzen. Mir fehlen Angebote wie der Hochschulsport oder das gemeinsame Mittagessen mit Freund_innen in der Mensa. Insgesamt habe ich nicht das Gefühl, dass ich mehr Zeit zum Lernen habe, obwohl die Fahrzeiten zum Campus entfallen.

Welche Lehrformate helfen Ihnen dabei, sich in der aktuellen Situation zu strukturieren und gut lernen zu können?
Lotte Unckell: Mir hilft es, wenn die Lehrveranstaltungen zu dem vorgesehenen Zeitpunkt auch stattfinden und wenn diese dann auch tatsächlich live sind und ich „hingehen“ muss um mitzubekommen, was passiert. So kann ich die geplanten Zeiten gut einhalten. Videos anschauen – egal zu welcher – Zeit finde ich schwierig. Was mir hilft, um produktiver zu sein, ist ein Arbeitsplatzwechsel um zwischen Arbeit du Freizeit zu unterscheiden und auch mal entspannen zu können. Individuelles Feedback nach den Übungen finde ich auch sehr gut.

Veronika Bertels: Ich finde es zusätzlich noch sehr hilfreich, wen man eine Kombination aus Vorlesung und Übung hat, sodass man in der Übung mitbekommt, dass die Sachen, die man in der Vorlesung gelernt hat, wirklich eine praktische Anwendung finden.

Sie engagieren sich im Fachschafsrat ja sehr dafür, das soziale Miteinander der Studierenden trotz Kontaktbeschränkungen aufrecht zu erhalten. Welche Angebote machen Sie für Ihre Kommiliton_innen?
Veronika Bertels: Wir veranstalten zum Beispiel in Kooperation mit dem Campuskino eine Netflixparty. Im regulären Semester würden wir uns alle zwei Wochen am Campus Wilhelminenhof mit Getränken und Popcorn zu einem Kinofilm treffen. Bei der Netflixparty zeigen wir jede Woche einen Film, bei dem man sich parallel in einem Chat austauschen kann. Dabei entsteht ein sehr dynamisches Gruppengefühl. Aller zwei Wochen führen wir samstagabends einen Spielabend über unseren fachschaftsinternen Discord-Server durch. Da bieten wir verschiedene Spiele an und kooperieren auch neuerdings mit HTW E-Sports.

Was wünschen Sie sich für Studium und Lehre im Wintersemester?
Lotte Unckell: Mein Wunsch für das nächste Semester ist auf jeden Fall wieder mehr Präsenz, als es jetzt gerade möglich ist. Das hilft vielen Studierenden auch in punkto technische Ausstattung, denn nicht alle verfügen über eine Internetverbindung, um an so vielen Lehrveranstaltungen online gut teilnehmen zu können. Außerdem ist mehr Präsenz auch super gut für die psychische Gesundheit: wieder mehr an die Hochschule zu kommen, mehr Gesichter zu sehen und sich in der Vorlesung mal umzuschauen und zu sehen, dass man nicht die Einzige ist, die das gerade nicht verstanden hat. Und ich wünsche mir, dass die Aktivitäten auch außerhalb der Lehre wiederbelebt werden können, zum Beispiel das gemeinsame Musizieren, Hochschulsport und weitere Angebote auf dem Campus.

Veronika Bertels: Der Campus ist ein Ort der Begegnung und dieser Ort fehlt in der aktuellen Zeit sehr. Darum fände ich es super, wenn im nächsten Semester zumindest Teile des studentischen Alltags wieder auf dem Campus stattfinden könnten. Seien es einzelne Veranstaltungen oder Übungen. Es muss ja nicht alles direkt wieder hochgefahren werden. Aber dass man so Stück für Stück auch dort zurück in die Normalität zurückkehrt, wäre sehr wünschenswert.